7.

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Heinrich Heine: 7. (1826)

1
Das Meer hat seine Perlen,
2
Der Himmel hat seine Sterne,
3
Aber mein Herz, mein Herz,
4
Mein Herz hat seine Liebe.

5
Groß ist das Meer und der Himmel,
6
Doch größer ist mein Herz,
7
Und schöner als Perlen und Sterne
8
Leuchtet und strahlt meine Liebe.

9
Du kleines, junges Mädchen,
10
Komm an mein großes Herz;
11
Mein Herz und das Meer und der Himmel
12
Vergehn vor lauter Liebe.

13
An die blaue Himmelsdecke,
14
Wo die schönen Sterne blinken,
15
Möcht ich pressen meine Lippen,
16
Pressen wild und stürmisch weinen.

17
Jene Sterne sind die Augen
18
Meiner Liebsten, tausendfältig
19
Schimmern sie und grüßen freundlich
20
Aus der blauen Himmelsdecke.

21
Nach der blauen Himmelsdecke,
22
Nach den Augen der Geliebten,
23
Heb ich andachtsvoll die Arme,
24
Und ich bitte und ich flehe:

25
»holde Augen, Gnadenlichter,
26
Oh, beseligt meine Seele,
27
Laßt mich sterben und erwerben
28
Euch und euren ganzen Himmel!«

29
Aus den Himmelsaugen droben
30
Fallen zitternd goldne Funken
31
Durch die Nacht, und meine Seele
32
Dehnt sich liebeweit und weiter.

33
Oh, ihr Himmelsaugen droben!
34
Weint euch aus in meine Seele,
35
Daß von lichten Sternentränen
36
Überfließet meine Seele.

37
Eingewiegt von Meereswellen
38
Und von träumenden Gedanken,
39
Lieg ich still in der Kajüte,
40
In dem dunkeln Winkelbette.

41
Durch die offne Luke schau ich
42
Droben hoch die hellen Sterne,
43
Die geliebten, süßen Augen
44
Meiner süßen Vielgeliebten.

45
Die geliebten, süßen Augen
46
Wachen über meinem Haupte,
47
Und sie blinken und sie winken
48
Aus der blauen Himmelsdecke.

49
Nach der blauen Himmelsdecke
50
Schau ich selig lange Stunden,
51
Bis ein weißer Nebelschleier
52
Mir verhüllt die lieben Augen.

53
An die bretterne Schiffswand,
54
Wo mein träumendes Haupt liegt,
55
Branden die Wellen, die wilden Wellen;
56
Sie rauschen und murmeln
57
Mir heimlich ins Ohr:
58
»betörter Geselle!
59
Dein Arm ist kurz, und der Himmel ist weit,
60
Und die Sterne droben sind festgenagelt
61
Mit goldnen Nägeln –
62
Vergebliches Sehnen, vergebliches Seufzen,
63
Das beste wäre, du schliefest ein.«

64
Es träumte mir von einer weiten Heide,
65
Weit überdeckt von stillem, weißem Schnee,
66
Und unterm weißen Schnee lag ich begraben
67
Und schlief den einsam kalten Todesschlaf.

68
Doch droben aus dem dunkeln Himmel schauten
69
Herunter auf mein Grab die Sternenaugen,
70
Die süßen Augen! und sie glänzten sieghaft
71
Und ruhig heiter, aber voller Liebe.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Heine
(17971856)

* 13.12.1797 in Düsseldorf, † 17.02.1856 in Paris

männlich, geb. Heine

| Bleivergiftung

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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