In später Nacht kam ich in Stockheim an. –

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Otto Erich Hartleben: In später Nacht kam ich in Stockheim an. – Titel entspricht 1. Vers(1887)

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In später Nacht kam ich in Stockheim an. –
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Des »Vogelschiessens« Wollust hatt ich noch
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mit vollen Zügen in der Stadt der Musen,
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im alten Jena, galgenfroh genossen.
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Zum letztenmale – rief ich frech mir zu –
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zum letztenmal lasst uns den Leib besaufen!
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Schon morgen liegt er nass auf kalter Bleiche,
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Solidität, kaltwasserheilsam, schaurig,
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verödet seine Sinne, und ein Sitzbad
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umfängt das Hintertheil mit stillen Armen.
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So lasst uns heute noch der Freude denken,
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der nervenspannenden, der bunten Sünde –
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ein frisches Glas, du weltgewandte Schenkin,
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ein frisches Glas und einen letzten Kuss! –

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Ein Mann, der jüngst der Feder sich verschwor,
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mit dem ich sonnigere Tage einst
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an Limmatufern, an des Ütli Fuss
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frei, froh verlebt – ihn führte mir das Glück
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dort in den Weg. Vorm Schützenhause sass er,
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mit warmen Würstchen pflegend seinen Bauch,
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und rief mich an, als ich vorübereilte.
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Auf seine Fragen musst ich ihm mein Loos
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enthüllen, und ich sprach: Es ist der Weg
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des Irrenhauses, den ich trete – schonend
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auch wohl Kaltwasserheilanstalt genannt.
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Des edlen Oheims würdevolle Dummheit
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hofft, dass ich dort durch kalte Dauerdouchen,
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geheilt von litterarischen Allüren,
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zum Königlichen Landrath reifen werde. –

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Die Stunden drauf im lärmenden Gewühl
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des staubigen Marktes waren kurz nur, doch
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wir haben herzhaft lustige draus gemacht
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und herzhaft war der Affe, der uns kratzte.

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Dann auf die Bahn – und durch die dunklen Berge
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gen Süden fuhr ich. Klare Sterne blitzten
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wie Goldesschmuck auf rabenschwarzem Haar
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von düstren Tannenhügeln mir herüber ...

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In später Nacht kam ich in Stockheim an.
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Der Mond beglänzte nachtbewegte Flaggen,
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die rings von kranzgeschmückten Hütten wehten,
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und selber macht er mir den schönsten Knix.
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Ich dankte stillbeglückt nach allen Seiten
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und machte selbstbewusst mich auf den Weg.

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Da wurd ich mit Verwunderung gewahr,
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dass (um mich, der Gelegenheit entsprechend,
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ein wenig à la Goethe auszudrücken)
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dass nicht ein einziger edler Bürger Stockheims
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auf meinem Wege mir entgegen kam,
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bedeutsam und bescheiden mich zu grüssen
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und mit des Gastfreunds frohbewegtem Wort
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den Pfad zu weisen in ein reinlich Haus.
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Droschke! so rief ich mürrisch durch die Nacht
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und drehte etwas indigniert dem Monde
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den Rücken zu. – Doch still bliebs wie zuvor.

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Da kams mir bald verdriesslich in den Sinn,
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dass (um mich, der Gelegenheit entsprechend,
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[denn heute fühlt ich mich noch ganz als Dichter]
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auch einmal wie Paul Lindau auszudrücken)
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dass hier in diesem ganz verstockten Stockheim
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die Droschke als Culturentwicklungsmittel
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bis jetzt die ihr gebührende Beachtung
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vielleicht noch nicht gefunden haben möchte.

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Und düster schritt ich meines Weges weiter.
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– Doch da ich Realist zu sein mich mühe,
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und nichts erzähle, was ich nicht erfahren
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und aufgenommen in den eignen Schatz
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des Vorgestellten, so erzähl ich lieber –
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noch wo und wie mein Haupt gebettet lag.
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Ich müsste lügen ...

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Genug: am Morgen weckte mich ein Hämmern.
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Im Kopfe? Nein! Der Kater ist ein Hausthier,
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mich Heimathlosen hat er längst verlassen,
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kriecht dort herum, wo frohe Menschen sind.
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Ein wenig Fieber nur in schlaffen Adern
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und unerfrischt, so kroch ich aus den Federn.

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Pardon! – Da zeigt sichs wieder mal frappant,
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wie stetiger Gebrauch gebrauchter Worte
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uns Sinn und Inhalt ganz vergessen macht.
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Mechanisch kauen wir die leeren Hülsen:
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hohl bleibt der Kopf und hungrig das Gemüth.

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So sagt ich denn, ich kröche aus den Federn.
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Ich Schuft! Stroh war es, Stroh und dreimal Stroh!

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Die Sprache, die des Wortes Werth nicht kennt,
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der die Begriffe höher gelten nicht
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als schmutzige Karten in des Spielers Hand,
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bald träg, bald wuchtig auf den Tisch geworfen,
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die Sprache, der das Blut der Sinne schwand,
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und deren Blässe Schminke nur verdeckt –
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ins Grab mit ihr – sie hat zu lang gelebt –
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bringt sie den Schinderknechten auf den Anger,
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den Oberlehrern und den Professoren! –

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Ein Hämmern weckte mich, denn Fahnenweihe
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war heut in Stockheim: der Verein der Krieger
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betrank sich treu für Gott und Vaterland,
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betrank sich fest, um seiner neuen Fahne
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für alle Zukunft echten Glanz zu geben.
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Daher die Flaggen, daher diese Kränze ...
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Schweig still, mein tiefbeschämtes Dichterherz!

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Und eine Nothdurft trat an mich heran,
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zwang mich, die Kammer schleunigst zu verlassen.
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Die Speisen, die der Mensch, wie jedes Thier,
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um seinen Leib zu nähren zu sich nimmt,
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behält er nicht in vollem Umfang bei sich.
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Befähigt ist der Körper, was da werthvoll
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von dem, was minder wichtig, wohl zu sichten:
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das erstere nimmt er voll Schlauheit auf
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und mit Bedacht ausscheidet er das andre.

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Auch mir ist dieses Menschliche nicht fremd.
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Und als ich nun mit kindlich offner Seele
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die alte schmutzbetriefte Pflegerin
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anging um einer Klause keusche Wohlthat,
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wies sie mit unverständlichem Gebrumm
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mich aus der Hinterthür und auf den Hof,
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wo goldnen Mist die frühe Sonne krönte.

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Nachdem ich lange dort mich umgethan
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und hinter jede Bretterthür gespäht,
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und hinter jeder nur – beliebte Thiere,
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doch nie den trauten Sitz gefunden hatte –
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da dämmerte in meiner zagen Seele
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ein ungewollt beglückender Gedanke.

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Natur! so rief ich, ewige heilige Mutter,
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du ziehst den Halbverlornen machtvoll an!
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Das trotzige – das reuevolle Kind
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ziehst du aufs neue sanft in deinen Schoss!
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O dank, du gute, liebevolle Mutter!

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So strömten die Gefühle brausend über ...
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Tief in mir klang es wie ein heilger Schwur:
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Auf deinem Pfade will ich fürder wandeln,
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dir ewig folgen, Herrscherin Natur! –
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Kein Machtgebot verirrter Menschen soll
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entfernen mich von dir und meinem Eide:
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mein Leib ist dein und fürder meine Seele
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denn beide sind

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Und langsam – und erleichtert reckt ich mich
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nach solchem tiefentquollnen Schwur empor,
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und dehnte mich und streckte meine Glieder.
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Und selbstbewusst und höchst vertraulich nickt ich
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der jungen Sonne zu, die frisch und blank
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dort auf dem dunklen Fichtenwalde lag –
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ein nacktes Weib auf einer Bärenhaut –:
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Schön guten Morgen – hast du ausgeschlafen?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Otto Erich Hartleben
(18641905)

* 03.06.1864 in Clausthal, † 11.02.1905 in Salò

männlich, geb. Hartleben

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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