Ein spärlich Feuer glimmt noch auf dem Herde

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Otto Erich Hartleben: Ein spärlich Feuer glimmt noch auf dem Herde Titel entspricht 1. Vers(1885)

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Ein spärlich Feuer glimmt noch auf dem Herde,
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Es ist der einzge schwache Schein – ein Licht
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wär viel zu theuer. In dem engen Raum,
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dess Decke du mit deinen Händen greifst,
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ist übelriechende, verdorbne Luft.
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Man hat die Fenster nicht geöffnet, denn
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die Wärme muss man halten, ach, die theure Wärme!

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Dort an der Wand, dem Herde gegenüber,
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da steht ein schmutzges Bett, und hässlich Stöhnen
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kommt von dort her aus einer kranken Brust.
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Am blinden Fenster, das im Winde klappert,
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der draussen durch des Dorfes Gassen fährt,
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sitzt eine Frau und strickt. Sie hört das Stöhnen
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des Kranken nicht und sieht die Spiele nicht
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der Kinder, die zu ihren Füssen kauern –
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sie sitzt und strickt, das Haupt nach vorn geneigt ...

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Da plötzlich dröhnt es auf dem rohen Pflaster:
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herangerollt in vornehm schnellem Trab
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kommt ein Coupé. Die gnädge Frau steigt aus,
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der Diener reisst die Thür der Hütte auf,
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so dass ein scharfer Luftzug bis ans Bett
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des Kranken fährt, und von der Schwelle tritt
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ein schönes, junges Weib, die Frau vom Schloss.

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Mit leisen Schritten kommt sie näher, winkt
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der Frau, die sich erhob, und flüsternd fragt sie:
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Wie geht es ihm? – Sie weist zum Bett nach hinten.
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Ihr offnes, freudenreiches Antlitz glänzt,
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verklärt vom Gotteshauche reinen Mitleids.

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Ach, gnädge Frau, das ist nu schon so lang!
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Statt dass er für die Kleinen und für mich
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arbeitet, muss er selbst erhalten werden,
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und besser werden kann er doch nicht wieder,
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und wenn er nu man nicht so lange machte ...
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Ein rauhes Wimmern unterbricht das Weib,
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der Kranke hat sich selbst emporgerichtet:
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Lass gut sein, Mutter ... und die eine Hand
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streckt er, wie um Erbarmen flehend aus.
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Noch einmal ruft er mit gebrochenem Hauch:
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Lass gut sein, Mutter ... und dann sinkt er hin –
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und in das Haus der Armen trat der Tod.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Otto Erich Hartleben
(18641905)

* 03.06.1864 in Clausthal, † 11.02.1905 in Salò

männlich, geb. Hartleben

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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