Am Ostermontag früh – es war bald drei –

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Otto Erich Hartleben: Am Ostermontag früh – es war bald drei – Titel entspricht 1. Vers(1884)

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Am Ostermontag früh – es war bald drei –
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kam der Student, der heut im Kreis der Freunde
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das Fest beim Gläserklang gefeiert hatte,
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vergnügt und aufgeräumt nach Hause.

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Tastend
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sucht er das Feuerzeug auf seinem Nachttisch.
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Er streicht ein Zündholz an – Was?

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Und sofort
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lässt er es wieder fallen. Was war das? –
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S ist wieder dunkel. – Bin ich denn bezecht?
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Und wiederum streicht er ein Zündholz an.
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Es zittert seine Hand dabei. Er sieht
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nicht auf das Bett, bevor die Kerze nicht
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brennt – Himmel!

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Auf dem offnen Bette liegt
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in festem Schlafe Gretchen: noch geschmückt,
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wie man es Gott zu ehren that. Das Kleid
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ist aufgeknöpft – in ihrem Schoosse liegt
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noch der verwelkte Strauss, und heitrer Friede
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ruht auf dem blassen Antlitz. Halb geöffnet
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sind ihre Kinderlippen, und ein Traum
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spielt wie ein Blüthenduft um ihre Lippen.

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Minutenlang betrachtet er dies Bild,
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starr, ohne Denken. Glühend heiss fühlt er
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das Blut in seinen Adern, wieder dann
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spürt er ein eiskalt Schauern bis ins Mark.
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Doch dann besinnt er sich und fährt sich über
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die Stirne mit der Hand und sucht zu lachen.

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Gretchen! Sie lächelt still im Traume. Gretchen!
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Sie fährt empor. Der Friede ist gewichen,
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und Schreck und Scham malt sich auf ihren Wangen.
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Mein liebes Kind, wie kommst du denn hierher?
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Hast du im Zimmer dich geirrt? – Sie hält verwirrt
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ihr Kleid zusammen, senkt das Köpfchen. Nein,
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sagt sie, die Mutter schickte mich hierher.
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Ich sollte Sie erwarten .. Ihnen danken ..
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Sie hättens so gewünscht –

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Ich?! – Doch, jawohl ...
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Ich .. wollte dich noch
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ich dachte nicht .. es ist so spät geworden.
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Ja, und .. der Pastor gab euch jedem doch
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ein Bibelwort, nicht wahr? Wie hiess denn deins?

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Sie knöpft an ihrem Kleide: Selig sind,
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die reines Herzens sind. Sie sitzt und knöpft
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an ihrem Kleide.

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Komm, nun geh hinüber.
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Und schlafe weiter: bist gewiss recht müde.
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Er führt sie an der Hand zur Thür. Da tritt
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die Alte ein.

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Sie lacht – verächtlich fast:
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Sie wolln sie nicht? Auch gut. Es kommt ein andrer.
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Der Andere, der immer kommt. Gut Nacht!
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Wir wollten uns nicht lumpen lassen ... Komm! –

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Und hinter ihnen fällt die Thür ins Schloss.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Otto Erich Hartleben
(18641905)

* 03.06.1864 in Clausthal, † 11.02.1905 in Salò

männlich, geb. Hartleben

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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