[und wenn ich sinne]

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Otto Erich Hartleben: [und wenn ich sinne] (1885)

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– Und wenn ich sinne, denk ich wohl der Mutter.
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Gedankenkühn in aller Leidensdemuth,
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den Blick geheftet auf das Christusbild,
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zu Füssen deines Bettes an der Wand –
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so lagst du vor mir. Und die Worte wieder
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hör ich aus deinem sterbensmatten Munde:
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Nicht meinetwegen bangt mir vor dem Tode.
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Euch lass ich nun allein ... In tiefes Sinnen
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verlorst du dich. Und deine Augen hingen
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wie zukunftsuchend an dem Dorngekrönten,
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an den du glaubtest.

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Ich war ein Kind und ahnte kaum die Stunde
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und ihre unheilschwere Leidensfülle,
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doch oft seitdem will es mich leis gemahnen,
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als hätte damals lastend schon die Hand
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des Schicksals sich gelegt auf meinen Nacken,
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als stünd ich fremd in einem reichen Hause ...

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Doch seis darum. Was frommt es, insgeheim
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knirschend zu rechten mit dem ewgen Unrecht.
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Ich bin durch dich, und in mir rollt dein Blut,
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und keinen Tropfen liess ich um das Glück
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Niedriggeborner.

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Du gabst es mir, dass es lebendig bliebe,
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dass es auf andre seinen Strom ergiesse –
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auch dir hat jedes Wollen sich gepresst
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in heisses Leid und jede starke Liebe –
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du gabst es mir, ich bin durch dich berufen,
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zu reden in der Welt von deinem Blute.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Otto Erich Hartleben
(18641905)

* 03.06.1864 in Clausthal, † 11.02.1905 in Salò

männlich, geb. Hartleben

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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