Er tritt vom Schauplatz weg. Ihr Schmeichler! hier kein Lied!

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Jakob Michael Reinhold Lenz: Er tritt vom Schauplatz weg. Ihr Schmeichler! hier kein Lied! Titel entspricht 1. Vers(1787)

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Er tritt vom Schauplatz weg. Ihr Schmeichler! hier kein Lied!
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Ja Scheremetjeff ist Gesichten gleich verschwunden
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Und hat die Kunst die keine Grösse sieht
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Als wo Belohnung rauscht – großmüthig überwunden.

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Soll Dankbarkeit, gleich jener Nachtigall
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Die in verheelten Büschen klaget
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Indem der Himmel ob ihr taget –
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Auch schweigen über solchen Fall?

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Mag der Pedant nach Wappen suchen,
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In mürben Chroniken erfragen, welches Blut
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Durch diese Adern rann. Den Göttern mag er fluchen!
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Ihm gilt ein Marmorklotz in einem Grafenhut
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Soviel als die Person, die ach! uns unverweßlich
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Dem Herzen nach nur unvergeßlich
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Hier überschwemmt von tausend Tränen ruht.

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Durch Beispiel stellt' er sich an unsers Adels Spitze
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Der ihn im Herzen fühlt, noch von ihm angeweht
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Ward der verborgnen Tugend Stütze
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Und das Organ der Majestät.

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Ihr Könige! was ist der Werth
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Von einem falschen Lorbeerkranze?
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Von Schild und Trommel, Fahn und Lanze
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Womit man euer Grab beehrt?

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Ihr unterschriebt, was andre thaten
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Und glaubtet dem Betrug, der auf die Unterschrift
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Oft Gott Natur und Pflicht verrathen.
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Ach ihre Schmeichelei, ihr Lob ist oft ein Gift
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Das mehr als ein Jahrhundert trift.

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Ein Kranz von Zähren der Gedrückten,
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So ihr befreit, glänzt in der Sternenwelt
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Und späte Seufzer der Beglückten,
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Auch wo kein Beifall lokt, bestättigen den Held
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Und machen, was der Mensch und nicht die Rolle war
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Der bessern Nachwelt offenbar.

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Wie wenig fand ich der Monarchen
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Piasten gleich, Dir Numa! gleich,
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Die aus der Einsamkeit gezogen, Aristarchen
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Gewannen, um sich her ein unabsehbar Reich
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Nicht zu bezwingen, zu beglücken;
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In keiner Nische sich mit Gottesfurcht zu schmücken
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Und an dem Weyhrauch zu erquicken
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Der Gott allein gehört. Wo leuchtet das Gesicht
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Das menschlich weint, wenn auf den Vieren
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Die Einfalt zu kaprioliren
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Sich für verbunden hält, um nicht
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Nach stumpfer Priester Wahn, den Himmel zu verlieren.

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Ihr Cäsare der bessern Zeit!
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Das Vorurtheil des Volks verwandeln
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Ist nicht so leicht, als um zehntausend Opfer handeln,
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Die durch ihr Blut versiegeln daß Bojaren
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Vor mehr als ein halb tausend Jahren
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In Moskau wie in Rom geritten und gefahren.

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Ihr winkt – und eine beßre Welt
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Steht, Schöpfer! um euch her statt dieses Schwalls von Thieren
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Die immer nur nach euch visiren
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Und ihre Leidenschaft in eure Rechnung führen.
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Ach ein Apostel wird der Held
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Der edel zürnet, wenn im Zelt
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Ein Babylonier vor ihm aufs Antlitz fällt.
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In seinen Adern fliesset Blut
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Von dir verklärter Graf! an seinem Herzensherzen
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Erinnert es und pochts, den Ruhm nicht zu verscherzen:

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Er winkt mit edlem Ueberdrusse
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Dem Schwulst genährt von Dichterwuth,
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Der Kunst die niemand nützt, dem tauben Löwenmuth
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Der Eifferer um nichts – zu jenem trüben Flusse,
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Wo die Vergessenheit für Muttersorgen blind
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Sich durch verbrannte Pfützen windt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Jakob Michael Reinhold Lenz
(17511792)

* 12.01.1751 in Cesvaine, † 15.06.1792 in Moskau

männlich, geb. Lenz

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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