Idens Schwanenlied

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Ludwig Gotthard Kosegarten: Idens Schwanenlied (1798)

1
Wie schaust du aus dem Nebelflor,
2
O Sonne, bleich und müde!
3
Es schwirrt der Heimchen heis'rer Chor
4
Zu meinem Schwanenliede.

5
Es girrt die scheidende Natur
6
Ihr Lebewohl so traurig;
7
Es stehen Busch und Wald und Flur
8
So trostlos und so schaurig.

9
Entblättert steht der Erlenhayn,
10
Entlaubt der traute Garten,
11
Wo Er und ich im Mondenschein
12
Einander bang' erharrten;

13
Wo Er und ich im Mondenblitz,
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Im Schirm der Linde sassen,
15
Und auf des Rasens weichem Sitz
16
Der öden Welt vergassen;

17
Wo ich, gelehnt an seine Brust,
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In süsse Träume nickte,
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Und holder Wahn, und Edens Lust
20
Die Träumende durchzückte.

21
Und schimmerte des Aufgangs Glanz
22
Durch die verschwiegnen Linden,
23
Pflegt' ich den schönsten Rosenkranz
24
Ihm um den Hut zu winden.

25
Doch keine Kränze wird hinfort
26
Dein Mädchen, Freund, dir winden.

27
Denn unsre Blumen sind verdorrt,
28
Entlaubt sind unsre Linden.

29
Ihr Rosen, die der rauhe Ost
30
In ihrem Knospen pflückte;
31
Ihr Nelken, die der frühe Frost,
32
Halbaufgeschlossen, knickte;

33
Ist euer Loos nicht auch mein Loos?
34
Seyd ihr nicht, was ich werde?
35
Entkeimt' ich nicht, wie ihr, dem Schooss
36
Der mütterlichen Erde?

37
Ist nicht mein Halm, so jugendlich,
38
So schlank emporgeschossen?
39
Hat meiner Blüthen Knospe sich
40
Nicht drängend aufgeschlossen?

41
Weckt meiner Augen blaues Licht,
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Die Rose meiner Wangen,
43
Die Frische meiner Lippen nicht
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Der Jünglinge Verlangen?

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Ach klagt um eure Schwester, klagt
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Ihr Rosen und ihr Nelken!
47
Wie bald, und hin ist meine Pracht,
48
Und meine Blüthen welken!

49
Verstreut ist all mein grünes Laub,
50
Geknickt mein schlanker Stengel,
51
Mein Staub gebettet in den Staub,
52
Mein Geist gereift zum Engel!

53
Der Wandrer, der in meiner Zier,
54
In meiner Schönheit Schimmer
55
Mich schaute, kommt und forscht nach mir,
56
Und sieht mich nimmer, nimmer!

57
Es kommt der Traute, den ich mir
58
Erkohren einzig habe. —
59
Ach fleuch, Geliebter, fleuch von hier;
60
Dein Mädchen schläft im Grabe.

61
Ach traure, Theurer, traure nicht!
62
Des Grabes Dunkel schwindet,
63
Und himmlisch und unsterblich Licht
64
Glänzt dem, der überwindet.

65
Triumph! auf Herbstesdämmerung
66
Folgt milder Frühlingsschimmer.
67
Auf Trennung folgt Vereinigung,
68
Vereinigung auf immer!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Gotthard Kosegarten
(17581818)

* 01.02.1758 in Grevesmühlen, † 26.10.1818 in Greifswald

männlich

deutscher Pastor, Professor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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