Elegie

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Ludwig Gotthard Kosegarten: Elegie (1798)

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Ida, wie weh ist mir, wie trübe deinem Ge-
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treuen!
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Sieben Tage flohn; aber ich sahe dich
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nicht.
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Sieben Tage verschlichen. Ich habe sie einsam ver-
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trauert,
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Denkend und dichtend an dich, sehnend
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und durstend nach dir.
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Sieben noch dunklere Nächte verwacht' ich in zärt-
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lichem Kummer,
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Traurend, Traute, um dich, rastlos ver-
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schmachtend nach dir.
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Warum verbirgest du dich? Mir ist um die Seele
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so düster,
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Und um die Brust so bang. Ida, verbirg
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dich mir nicht!
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Siehe die Aue draussen. Ihr ist die freundliche
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Sonne
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Untergegangen; ihr birgt Nebel den freund-
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lichen Strahl.
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Und nun schmachtet, nun trauert, nun klagt die
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Verlassne. So klag' ich,
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Seit ich dein sonnig Gesicht, freundliche
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Ida, nicht sah.
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O, so strahle denn wieder hervor aus dem hüllenden
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Dunkel,
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Morgenröthliches Licht, kläre die Seele
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mir auf.
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Tritt hervor, o siegende Sonn', in schimmernder
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Schönheit,
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Blinke mir Leben und Kraft tief in die
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Seele hinein.
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Komm du, die ich liebe, in deiner unschuldigen
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Schöne,
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Deiner rührenden Huld, deinem gewinnen-
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den Reiz.
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Komm, o Inniggeliebte, an meinen klopfenden
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Busen,
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Stille das schlagende Herz, letze den lech-
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zenden Durst.
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Meine Seele schmachtet nach dir, wie die welkende
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Blume
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In der Schwüle des Tags schmachtet nach
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Abend und Thau.
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Meine Seele liebet dich mehr als Jugend und
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Freiheit,
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Mehr als Harf' und Gesang und der Be-
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geisterung Kuss.
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Süsser klingt mir dein Lächeln, als meiner Harfe
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Gelispel;
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Hehrer blickt mir dein Aug', als die gestir-
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nete Nacht.
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Seliger ruht es sich, Edle, an deinem steigenden
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Busen,
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Als in der Mutter Natur weichem und offe-
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nem Schooss.
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Glücklicher bin ich, umweht von deinen goldenen
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Locken,
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Als von des röthlichen May's schimmernden
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Blüthen beschneyt.
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Tausend sind der Blüthen des May's, und tausend
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mal tausend
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Würzige Düft' entwehn seinem balsamischen
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Hauch.
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Aber du bist die schönste von allen, die frischeste,
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schönste,
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Duftendste Blüthe, du! — Und du verhül-
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lest dich mir?
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O, verhülle dich nicht! Dir winken der Lenz und
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die Liebe,
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Dir der erlauende Hauch, dir der belebende
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Strahl.
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Eil' und brich hervor aus drängenden Knospen, und
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breite
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Deine Blätter, und rings würze die schmei-
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chelnde Luft.
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Komm hervor aus dunkler Kammer, unschuldige
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Schöne,
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Komm' und sinke mir in den umflechtenden
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Arm.
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Ach, wenn itzt du kämest, wie wollt' ich liebe-
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beflügelt
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Dir entgegenfliehn, wollte die zierliche
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Hand
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Freudig fassen, und flehend dir schaun in das
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schmachtende Auge,
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Wollte blöd' und bang' um den geschlan-
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keren Leib
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Meine zitternden Arme dir schlingen, und tausend-
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mal Ida,
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Ida stammeln, dich fest an das verwegene
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Herz
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Fest und stark dich drücken, und immer fester und
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stärker,
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Bis dein schlagendes Herz nah an dem mei-
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nigen schlüg,
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Deine flammende Wang' an meiner flammte, die
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Lippe
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Trunken auf deiner ruht', und der berau-
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schete Geist
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Ganz in Einem verzuckenden Kuss in der Deinen
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zerschmölze,
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Sterbend süssen Tod, Seligkeit erbend in
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dir!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Gotthard Kosegarten
(17581818)

* 01.02.1758 in Grevesmühlen, † 26.10.1818 in Greifswald

männlich

deutscher Pastor, Professor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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