Elegie

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Ludwig Gotthard Kosegarten: Elegie (1798)

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Meine Ida, wie anders seit gestern! Dein leuch-
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tendes Antlitz
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Leuchtete gestern, es sah gestern dein Auge
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so klar.
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Welche Wolken schatten denn heute dein freundli-
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ches Antlitz?
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Welche Dämmerung hüllt seinen erlöschen-
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den Glanz?
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Schwerarbeitend athmet dein Busen von lastenden
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Seufzern;
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Matter wanket dein Schritt; weinender
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wimmert dein Laut.
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Meine Ida, wie ist dir? Umnachten dich Schatten
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der Schwermuth?
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Schüttert Fieberwuth deinen zu zärtlichen
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Bau?
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Schwermuth mag nicht haften an meiner unsträf-
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lichen Ida
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Himmellauterem Sinn. Krankheit, dein feind-
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licher Arm
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Schüttert schonungslos die Feste des edelsten Mäd-
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chens —
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Meine Ida, du sinkst? Lehne dich, Theure,
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an mich!
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Also lehnt an den Stab die wettergegeisselte
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Nelke.
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Wilder wüthet der Sturm, wilder der Re-
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gen. Der Stab
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Sinkt, und mit ihm sinkt die schönste der Blumen.
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Gebrochen
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Liegt sie am Boden. Der Wind streuet die
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Blätter umher.
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Also liegt und schmachtet mein herrliches Mädchen.
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Der Locken
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Ringelnde Füll' umströmt hüllend die stei-
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gende Brust.
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Mit dem Steigen des Schwanenbusens steiget die
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Decke.
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Wie das Täubchen im Hayn, girret ihr kuss-
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licher Mund.
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Meine Ida, du leidest, und ferne von deinem Ge-
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treuen.
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Dennoch zucket dein Ach mir durch das
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innerste Mark;
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Dennoch fährt mir dein ungesehener Schmerz durch
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das Leben.
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Mich durchschauern, wie dich, wechselnd
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die Schwül' und der Frost.
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Unstät wandl' ich im Zimmer, und gebe nicht Ant-
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wort dem Frager,
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Fahr' aus Träumen empor, schweig' und
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bedenke nur dich,
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Durste nach deinem Anblick und zaubre mich dir
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in die Arme —
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Meine Ida, ach, wann wird mich dein
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Anblick erfreun?
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Wann wird wieder mein Auge dem deinen begegnen?
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Dein Lächeln
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Mich umglänzen, und mich seliges Ahnen
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umwehn? —
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Ida, Ida, getrost! Mir lispelt die Liebe: Nicht
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lange
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Siehe, so wird sich dein Blick hellen, und
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rosiger wird
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Deine Wange sich röthen. Du wirst aus dem Dun-
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kel der Krankheit,
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Eine Blum' aus dem Sturm, duftiger, schöner
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erstehn —
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Aber ach, meine Ida, wird dann dem sprechenden
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Auge
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Auch Erklärung entsprühn? Wird dein Ge-
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ständniss mir auch
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Zu Gewissheit die Ahnung der Lieb' erhöhen? — Ach,
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dieses
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Sagt die Liebe mir nicht. Liebliche, sagt
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sie es dir?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Gotthard Kosegarten
(17581818)

* 01.02.1758 in Grevesmühlen, † 26.10.1818 in Greifswald

männlich

deutscher Pastor, Professor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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