An des Kaisers von Oesterreich Majestät

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Friedrich Hebbel: An des Kaisers von Oesterreich Majestät (1853)

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War auch der Mörder, welcher, tief verblendet,
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Den meuchlerischen Stahl auf Dich gezückt,
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Ein Bote, den die Hölle selbst gesendet,
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Nachdem sie ihn im Innersten berückt,
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So hat es doch der Himmel so gewendet,
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Daß jetzt ihn die Apostelkrone schmückt,
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Denn Kunde hat der Herr durch ihn gegeben:
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Gefeit ist, weil geweiht, des Kaisers Leben!

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Nun darfst Du doppelt auf Dich selbst vertrauen,
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Und doppelt hoffen darf auf Dich die Welt,
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Der Dichter aber blickt mit heil'gem Grauen
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In Deine Zukunft, die sich ihm erhellt,
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Du wirst, er glaubt's den Thron auf's Neue bauen,
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Den Karl der Große einst so hoch gestellt,
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Denn soll's noch einmal auf der Erde tagen,
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So muß das Herz Europas wieder schlagen!

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So schmiede denn mit einer eh'rnen Klammer
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Das eig'ne fest an's alte Deutsche Reich;
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Dann endest Du den allgemeinen Jammer
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Und den des edlen Deutschen Volks zugleich:
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Wo drängt sich auch durch eine Herzensklammer
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Das Blut und läßt die and're leer und bleich?
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Durch alle beide muß es wechselnd fluten,
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Dann weckt es die verborg'nen Lebensgluten!

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Und liegt das alte Reich auch tief darnieder,
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Ein Wink von Dir, und es erhebt sich schon,
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Es starb ja nicht an seiner eig'nen Hyder,
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Es ward zermalmt durch einen Göttersohn,
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In Cäsar kehrte Alexander wieder
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Und alle Beide in Napoleon,
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Und sehen wir den Erdball selber schwanken,
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So darf auch ohne Schmach die Eiche wanken!

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Es glich dem düstern Helden jener Sage,
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Der seine Feinde nicht bloß überwand,
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Nein, der sich auch zu seiner eig'nen Klage
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Nach jedem Siege doppelt stärker fand,
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So daß er an dem Abend seiner Tage
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Die Kraft der Welt in sich zusammen band,
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Und, da ihm doch beschieden war, zu enden,
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Den Tod erlitt von aller Götter Händen!

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Drum ist, was ihm erlag, nur halb erlegen,
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Es sank betäubt, doch war es nicht erschlafft,
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Der Scheintod selbst, er ward vielleicht zum Segen,
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Sogar ein Traum entzündet oft die Kraft,
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Auch seh'n wir manchen Zwerg sich wieder regen,
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Der keck und trotzig sich empor gerafft:
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Was schläft denn noch der erste aller Recken?
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Berühr' ihn, Herr, ein Habsburg kann ihn wecken!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hebbel
(18131863)

* 18.03.1813 in Wesselburen, † 13.12.1863 in Wien

männlich, geb. Hebbel

deutscher Dramatiker und Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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