Elldor an Elldore. Erstes Lied

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Ludwig Gotthard Kosegarten: Elldor an Elldore. Erstes Lied (1798)

1
Welch eine Nacht! Wie grauenvoll! wie
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dunkel!
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Von Sturm und Schlag wie schauerlich!
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Ich aber schritt getrost durch ihr erebisch Dunkel;
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Die starke Liebe schirmte mich.

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Ich schritt getrost hindurch. Ich hätte nicht
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gezittert,
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Und hätten um mich her die Winde Tod geheult.
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Und hätte Gottes Blitz den Wald um mich zer-
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splittert —
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Ich wär' getrost hindurch geeilt.

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Und hätte Mord auf mich mit jedem Schritt
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gelauert,
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Und hätte über mir der Himmel roth gebrannt,
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Und wäre unter mir der Abgrund aufgeschauert;
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Getrost wär' ich hindurch, getrost zu dir gerannt.

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Zu dir! zu dir! Dein erstes Grussgeflister,
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Dein erster leiser Handdruck, ach!
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Dein volles feuriges Umfahn im Rabendüster
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Der Mitternacht tilgt' all mein Ungemach.

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Zu süsse Nacht! Zu rasch verprasste Stunden!
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Zu schnell verrauschte Trunkenheit!
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Herz, Herz, wie dass du nicht vom Staube los-
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gewunden
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Mit ihr empor dich schwangst ins All der Seligkeit!

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Auf ihrem Lager lieblich hingegossen,
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Wie duftete die junge Rose mir!
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Wie glühte sie! wie thaute sie! wie flossen
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Rings um sie Frisch' und Füll' und lechzende Be-
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gier!

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Von ihren Armen sanft hinabgezogen,
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Hinabgesunken an ihr schlagend Herz,
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Itzt steigend, sinkend itzt mit ihres Busens Wogen,
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Wie kämpft' ich zwischen Lust und Schmerz!

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Wie strebten meine Kräfte, ha! wie drängten
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Die Mächtigen sich hin zu ihr!
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Und dass sie nicht der Tugend Riegel sprengten,
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Elldore, das verdanke dir!

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Das danke dieser hellen Morgenröthe
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Von Unschuld, die dein Angesicht
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So rührend schmückt, die mich so flehend flehte:
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„mein Elldor, ach zerstöre nicht!“

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Das danke deinem leisen Wimmern:
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„mein Auserwählter, ich bin dein!
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„doch könntest du dein Heiligthum zertrümmern?
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„harr' aus! Einst werd' ich ganz und ewig deine
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seyn.“

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Ja, du bist mein. Du bist an mich gebunden,
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Mit Banden, die kein Arm zerbricht.
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Komm bald, o seligste der Stunden,
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Darin Elldore mich mit Gattinarm umflicht.

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Sie kommt! sie kommt! In deinem Brautge-
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schmeide,
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In deinem Myrtenkranz sey mir gegrüsst!
55
In deiner weissen Hochzeitseide
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Bist du die schönste Braut, die je ein Mann ge-
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küsst.

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Was schleichst du heut so langsam, träge Sonne?
59
Hinunter mit dem Lärmer Tag!
60
Dass ich die schöne Braut — o Wonne, Wonne! —
61
In meine Kammer führen mag.

62
Ich bin erhört. Die hochzeitliche Kammer
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Umfängt uns schon mit süsser Dunkelheit.
64
Und jeder alte Gram, und jeder alte Jammer
65
Taucht unter in Vergessenheit!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Gotthard Kosegarten
(17581818)

* 01.02.1758 in Grevesmühlen, † 26.10.1818 in Greifswald

männlich

deutscher Pastor, Professor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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