Die Sommernacht

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Ludwig Gotthard Kosegarten: Die Sommernacht (1798)

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Zwölfe schlug es. Es wirft über die müde Welt
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Ihren Schleier die Nacht dunkler und schattender.
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Schon ist
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Schon

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Trüb' und röthlich enttaucht
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Nacht.
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Aus dem silbernen Duft schauet der Mond hervor,
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Kos't die schüchterne Dämmrung,
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Wie ein Jüngling die blöde Braut.

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Aus dem silbernen Duft flimmre vertraulich, Freund,
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Durch das schwankende Laub, das um mein Lager
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schwirrt,
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Um den duftenden Rasen,
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Den ich mir für die Nacht erkohr.

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Wahrlich, schön ist mein Bett. Duftendes weiches
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Gras
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Ist mein Polster; mein Pfühl ist der bemooste Stein;
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Meine Kerze der Glühwurm,
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Schilfgesäusel und Wachtelshlag

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Sind mein Wiegengesang. Aber es wieget heut
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Nicht das Säuseln des Schilfs, nicht das Geläut'
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im Teich
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Mich in Schlummer. Es wieget
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Meine Seel' in erhabnen Ernst.

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Viel zu hehr ist die Nacht, viel zu gedankenvoll
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Schaut vom Himmel der Mond. Anger und Trifft
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und Flur
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Stehn so magisch im Nebel,
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Der dem dampfenden Grund entwallt.

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Du, der Zeiten des Tags herrlichste, heiligste,
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Ahndungschwangere Nacht, Schwester der Ewigkeit
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Traute Freundin des Kummers,
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Süssschwermüthige Schwärmerin,

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Nacht, dich liebet mein Geist! Deinen erhabnen
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Ernst,
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Deinen schweigenden Gram, deine geweihten
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Graun
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Lieb' ich mehr, als des Morgens
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Aufgang, mehr als das Abendkühl.

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Nacht und Dunkel umhüllt unsers Erhabnen
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Thron;
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Und in Dunkel und Nacht fühl' ich dem Herr-
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lichen
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Mich viel näher. Der Gottheit
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Leise Säusel umschauern mich.

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Für das Endliche fühlt sich der gehobne Geist
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Viel zu edel. Ihm schwant höhere Seligkeit,
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Als der Taumel der Sinne,
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Als der Becher der Lust gewährt.

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Nach Genüssen, die nie ekeln, nach Seligkeit,
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Welche nimmer versiegt, lechzt der Unsterbliche;
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Ach, im Antlitz der Sterne
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Lechzet, schmachtet, verschmachtet er.

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Volle Gnüge, nach dir brannte der Knabe schon.
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Doch das tappende Herz wähnet', es durstete
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Bald nach schmeichelnden Ehren,
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Bald nach lieblicher Mädchen Kuss.

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Rastlos rang ich nach Ruhm, flocht um den jungen
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Schlaf
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Frische Lorbeern; wie bald welkte der frische Kranz!
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Stürmisch warb ich um Liebe.
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Liebe ward mir. Ich wähnte mich

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Nun vollglücklich; wie bald seufzte der Glückliche!
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In des Edleren Arm, an der Geliebten Brust,
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In dem Schoss des Entzückens
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Seufzte, lechzte, verschmachtet' ich!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Gotthard Kosegarten
(17581818)

* 01.02.1758 in Grevesmühlen, † 26.10.1818 in Greifswald

männlich

deutscher Pastor, Professor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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