Die Odaliske

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Friedrich Hebbel: Die Odaliske (1853)

1
Es harrt auf weichem Purpursammt
2
Die jüngste Sclavin ihres Herrn,
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Und unter dunkler Braue flammt
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Ihr Auge, wie ein irrer Stern.

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Sei stammt aus jenem Lande nicht,
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Wo ehrbar-blond der Weizen reift,
7
Und stachligt-keuch die Gerste sticht,
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Wenn man sie noch so leise streift.

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Sie ist der Feuerzone Kind,
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Wo jede Frucht von selber fällt,
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Weil sie der Baum, der zu geschwind
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Die zweite zeitigt, gar nicht hält.

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Sie hat von dem Johannisstrauch
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Die karge Beere nie gepflückt,
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Die, ohne Kraft und ohne Hauch,
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Zur Abwehr gar den Dorn noch zückt.

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Doch ward sie oft vom Wein bespritzt,
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Weil himmelan die Rebe drang
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Und dann, vom Sonnenstral zerschlitzt,
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Die Traube in der Luft zersprang.

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Drum sitzt sie auch nicht seufzend da,
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Nun ihre eig'ne Stunde naht,
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Sie denkt der Rosen, fern und nah',
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Die sie schon selbst gebrochen hat.

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Und sieh, der Pascha tritt herein,
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Zwar ernst und düster, doch nicht alt,
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Und vor ihm her den Becher Wein
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Trägt eines Mohren Nachtgestalt.

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Er sieht das Mägdlein lange an,
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Mißt Zug für Zug, und nickt nur still,
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Zum goldnen Becher greift er dann
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Und fragt, ob sie nicht trinken will.

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Ihr aber schwillt schon jetzt das Blut
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Bis an der Adern letzten Rand,
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Drum fürchtet sie des Weines Glut,
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Und stößt ihn weg mit ihrer Hand.

37
Nun weis't er stumm den Mohren fort,
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Dem wild das Auge glüht vor Lust,
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Und setzt sich an den weichsten Ort
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Und küßt ihr langsam Mund und Brust.

41
Doch plötzlich dringt ein jäher Schrei
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Von außen ihr in's bange Ohr;
43
Sie ruft verstört, was das denn sei?
44
Und er versetzt: es starb der Mohr!

45
Er trank den Wein, den ich dir bot,
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Und wird der Sünde nimmer froh,
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Denn beigemischt war ihm der Tod! –
48
Ich prüfe jede Sclavin so!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hebbel
(18131863)

* 18.03.1813 in Wesselburen, † 13.12.1863 in Wien

männlich, geb. Hebbel

deutscher Dramatiker und Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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