Fest-Ode bei Einweihung der Schiller-Statue in München

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Hermann von Lingg: Fest-Ode bei Einweihung der Schiller-Statue in München (1862)

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Schmerzlich den letzten und bangen Hauch ausatmend, der Nachtigall gleich, noch im Tode,
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So starb, was an Schiller von Staub war. Frühlingslicht
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Ruht über des Toten entschlafenem Antlitz, aus ist alles beengende Leid,
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Aus aller Kampf in trüber Erdennacht; Tränen, tief empfundene Tränen, geheiligt durch ihn selbst,
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Dem sie galten, weihte Deutschland seinem Sänger.

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Du heilige Nacht um den Abgrund alles Seins,
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Durchleuchtet von Strahlen des Lichtmeers, höchste Schönheit, Geheimnis der Welt,
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Die Seele, selbst sich Rätsel, denkt voll Sehnsucht viel sich Inniges über ihr Los hienieden aus,
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Oft in schwermutvollen, stets anmut'gen Bildern.

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Dichtend sah sie viel voll Tiefsinns schon, was der erforschende Geist
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Spät hernach erst fand, vollbringend den Sieg der Idee.
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Sie trägt dann, wie ihr eigenes Bild,
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Wie die geflügelte Sphinx an sich das Memento noch hat, so auch, und jetzt
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Hehr und befreit im Triumph, die Totenmaske hoch in die blühende Welt,
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Als das Sinnbild ihrer Abkunft von den Sternen.
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Wie wir entstanden, woher wir kommen, welches der Ersten des Menschengeschlechts
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Ursprüngliche Heimat und ihr Schicksal war, traumhaft
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Die Mythe nur sagt es und wirft darüber blitzschnell sprühendes Streiflicht und weckt
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Ein Vorgefühl vollkommener Einsicht; Sinnbild wird ihr alles Erscheinende, jede Lebensspur
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Wird der Ausdruck einer Weltalloffenbarung.

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Welchen Gedanken flocht deutungsvoll die Gottheit, welchen Gedanken an sich
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In ihrer Erkornen Sendung? Denn die sind
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Mit aller erhabnen Erinnerung eines Volks aufs tiefste verwoben und stets
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Der Größe Mitvollbringer, weil ja ewig, Zeugschaft gebend von Geist- und Gemütskraft, unverfälscht
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Als ein Erbgut stets der Dichtung Sprache fortlebt.

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Kühn wie der Adler vor Deutschlands Heereszug zu der Kaiser gewaltiger Zeit,
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So weht wie vom hohen Gebirg dein Flug! Dich mit Stolz
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Voll innigen Dankes nennt sein das Vaterland, ja jedes Jahrhundert bekennt sich
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Zu deinem Ruhm, die Gegenwart strebt, tiefgerührt von deines Gesanges Wohllaut, wetteifernd dich
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Auch im Erzbild ragend stets vor sich zu schauen,

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Komm denn zu uns, wo, deines Genius Flügen verwandt,
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Säulenbau dich grüßt, wo der Antike geweiht, o Schiller, dich an die Welt
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Edle Gestalten und Formen reiner Schönheit, wo mit heiliger Glut
34
Dich ein König ehrt und stets mit neuem Lorbeer!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Hermann Lingg
(18201905)

* 22.01.1820 in Lindau, † 18.06.1905 in München

männlich, geb. Lingg

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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