Lose der Dauer

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Hermann von Lingg: Lose der Dauer (1862)

1
Im Gletschereis wird kein Atom verwesen,
2
Im dürren Sand bleibt unversehrt die Leiche;
3
Der taube Stein bleibt ewig sich der gleiche,
4
Und nur die Blüte wird vom Tod gelesen.

5
Ein Griechenland ist flücht'ger Traum gewesen,
6
Zum schönsten Glauben sprach die Zeit: Erbleiche!
7
Doch wandellos aus Trümmern größrer Reiche
8
Starrt jene Mumienherrschaft der Sinesen.

9
Ein Nachen schwankt, wo Flotten einst gelandet;
10
Sein Bett vergißt der Strom, die Spur vom Zuge
11
Der frühsten Völkerheere liegt versandet.

12
Nur Wind und Wolken stets im alten Fluge
13
Ziehn hin und her, und Flut und Ebbe brandet,
14
Und nur der Wechsel kommt nicht aus der Fuge.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Hermann Lingg
(18201905)

* 22.01.1820 in Lindau, † 18.06.1905 in München

männlich, geb. Lingg

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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