Das Grab der Aturen

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Hermann von Lingg: Das Grab der Aturen (1862)

1
»wenn dieser weiße Strom einst seine Fluten
2
Einmünden wird in diesen blauen See,
3
Dann wird das Herz der alten Krieger bluten,
4
Und eurer Söhne Bart wird sein wie Schnee.

5
Schlaff wird die Sehne sein an eurem Bogen
6
Und wirkungslos entfliegen euer Pfeil.
7
Dann wird mein Antlitz sein von Schmerz umzogen,
8
Und an den Fremdling kommt der Ahnenteil.«

9
So sprach zu unsern Vätern einst die Schlange
10
Des weißen Lichts; erfüllt ist nun ihr Wort.
11
Von Hof und Flur, vom Licht und vom Gesange
12
Des Heimathains treibt uns der Sieger fort.

13
Doch hat der Gott ein Grabmal uns bereitet;
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Umspült von Wassern, vom Gebirg umzackt,
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Liegt eine Höhle, grufttief ausgeweitet,
16
Um ihren Eingang braust der Katarakt.

17
Dorthin hieß er uns letzte Söhne ziehen,
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Des Stammes Überrest, der Tugend wert,
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Die unsrer Ahnen war, denn wir entfliehen
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Mit überwundnem, nicht beflecktem Schwert.

21
Auf eure Häupter nehmt die Aschenkrüge,
22
Den Staub, der unsrer Väter Staub umschließt;
23
Auch nehmt von Frucht und Öl, so viel genüge
24
Zum Opfermahl, das ihr zuletzt genießt.

25
Dann laßt uns ruhn auf Steinen um die Flamme
26
Im Sterbehaus, das unsrer Leichen harrt,
27
Stumm, bis dem Letzten vom Aturenstamme
28
Der letzte Pulsschlag in der Brust erstarrt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Hermann Lingg
(18201905)

* 22.01.1820 in Lindau, † 18.06.1905 in München

männlich, geb. Lingg

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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