Tag und Nacht

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Hermann von Lingg: Tag und Nacht (1862)

1
Wenn Abends vom glutroten Himmel
2
Der Sonne Roß heruntersteigt,
3
Der Sohn des Lichts, der tageshelle Schimmel,
4
Und seinen Hals, den schön gebognen, neigt;
5
Dann aus den Nebeln mit bereifter Mähne
6
Steigt
7
Und gähnend weist es seine weißen Zähne
8
Den Umgekommenen der Schlacht.

9
Es schlängelt sich gleich blauem Stahle
10
Durch breite Ström' und Eisgefild
11
Und fließt dahin im Mondenstrahle,
12
Wie Blut von eines Helden Schild.
13
Der Sturmwind hängt an seinen Hufen,
14
Die Schiffe jagt's im wilden Meer,
15
Es saust vorüber, wo die Wächter rufen,
16
An Turm und Lager um ein schlafend Heer.

17
Indessen grast auf einer bunten Wiese
18
Das Sonnenroß, geführt am Zaum
19
Von einem Zwergen, und es sitzt ein Riese
20
Im Sattel, ein Gigant, der schwere Traum.
21
Es ruhet aus im Waldesdunkel
22
An blühender Violen Saum,
23
Wo kaum durchblinkt der Sterne müd Gefunkel
24
Der Esche schwarzen Zauberbaum.

25
Auf einmal ist's, als fühl' es wieder
26
Den alten Mut, die Erde bot
27
Ihm neue Kraft, es schüttelt Mähn' und Glieder
28
Und stampft, daß Feuer aus der Erde loht.
29
Und schnaubend stürzt es sich ins Flutgewühle,
30
Der Riese fällt, der Zwerg ist tot;
31
Es wiehert und erweckt die Morgenkühle –
32
Am Himmel glüht das Morgenrot.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Hermann Lingg
(18201905)

* 22.01.1820 in Lindau, † 18.06.1905 in München

männlich, geb. Lingg

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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