Schamyl

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Hermann von Lingg: Schamyl (1862)

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Wohl brauste dumpf der Strom im Grunde,
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Als Gunib's letzte Mauer fiel.
3
Ein Kampf noch – eine bange Stunde –
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Und ein Gefangner war Schamyl.

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Lang botest du dem Kugelregen
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Und bis zum letzten Säbelhieb
7
Die Stirne kühn dem Feind entgegen,
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Den gegen dich die Knute trieb.

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Wie lang, um deinen Arm zu biegen,
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Warf Heere gegen dich der Zar,
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Und du sahst sie zerschmettert liegen
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Am Fuß der Felsen jedes Jahr.

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Man sah die Fahne dich erheben,
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Die du zuerst erhobst, zuletzt
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Und, weg sie schleudernd, dich ergeben,
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Von vieler Wunden Blut benetzt.

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Dein Blick im Aug' des Feindes spähte
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In Furcht vor Schmach, nicht vor dem Tod,
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Und nun riefst du die oft verschmähte,
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Die Gnade, die der Zar dir bot!

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Sprich, hatte dich der Mut verlassen,
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Mit dem du einst voll Trotz und Glut
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Geschworen hast, den Feind zu hassen
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Bis auf den letzten Tropfen Blut?

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Wenn wieder deiner Berge Spitzen
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Der Tag beglänzt, so will er sehn
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Im Tale deinen Säbel blitzen
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Und deinen weißen Turban wehn.

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Den Schakal und die Wölfe speiste
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Mit Russenleichen sonst dein Sieg;
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Du riefst, so hoch ein Adler kreiste,
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Die Völker auf zum heil'gen Krieg.

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Noch lang im Klagelied der Frauen
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Wird dauern deines Ruhmes Klang,
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Doch du wirst niemals wieder schauen
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Der Bergestöchter stolzen Gang.

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O konnte dich dein Pferd denn tragen
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Den Weg in die Gefangenschaft,
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Anstatt mit dir hinabzujagen
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Dort, wo der Berg am tiefsten klafft?

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Die Wolken hätten ausgebreitet
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Zu Flügeln sich um dein Gewand,
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Es hätte sanft emporgeleitet
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Zu Gott dich eines Engels Hand.

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Doch sagen wird, das dich bewundert,
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Das Abendland, daß mit Schamyl
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Ein tapfres Volk und dem Jahrhundert
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Zugleich ein Held der Freiheit fiel.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Hermann Lingg
(18201905)

* 22.01.1820 in Lindau, † 18.06.1905 in München

männlich, geb. Lingg

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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