Lepanto

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Hermann von Lingg: Lepanto (1862)

1
Bang schon vor dem Schlachtengotte
2
Lag das weite Meer und schwieg,
3
Und die große Türkenflotte
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Träumte sich schon Ruhm und Sieg.
5
Von des Nil und Euphrat Wogen
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Waren Schiffe hergezogen
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Und von Fez und Trebisond;
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Weithin auf den blauen Wellen
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Sah man ihre Flaggen schwellen,
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Blutrot, mit dem halben Mond.

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Schwarz und finster wie der Böse,
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Mit der Seele voll Verrat,
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Stand am Mast der Calabrese
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Nyzalin, der Renegat;
15
»heut im Blut der Nazarener
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Trinkt euch satt, ihr Damaszener,«
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Sprachen die Wesire schon;
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Doch im Himmel war's beschlossen,
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Daß zerschmettert und zerschossen
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Stürzen sollt' ihr Wellenthron.

21
Als der Tag war angebrochen,
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Hat der Türk' in Donnerschall
23
»kommt heran!« zu uns gesprochen
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Aus den Feuerschlünden all.
25
Antwort gab im Morgenstrahle
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Hoch vom Mast der Admirale
27
Unser Kreuzpanier sogleich,
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Und nun sprach: »Mit Gottes Wettern
29
Laßt uns jetzt den Feind zerschmettern!«
30
Don Juan von Österreich.

31
Da begann das große Feuern,
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Die metallnen Schlangen spie'n,
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Rings von Masten, Tauwerk, Steuern
34
Flog es in die Luft dahin.
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Jetzt geentert! ward befohlen,
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Drauf mit Säbeln und Pistolen
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Donnernd wirft sich Bord an Bord,
38
Mann an Mann; durch Luck' und Decke,
39
Durch Kajüten und Verstecke
40
Über Leichen ras't der Mord.

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Wilder wirft das Meer die Fluten,
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Zornig gärt sein Drachenschlund,
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Wie ein Stern in Feuersgluten
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Sinkt des Pascha Schiff zu Grund.
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Feuer regnet's auf die Mohren,
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Allem ist der Tod geschworen,
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Was noch aus den Wellen taucht;
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Aber Sieg dem Christenvolke!
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Jubelt's durch die Pulverwolke,
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Stille wird's, der Dampf verraucht.

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Spanier, Deutsche, Johanniter,
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Wer bewies den höchsten Mut?
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Jeder Kämpfer war ein Ritter,
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Jeder Harnisch troff von Blut;
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Don Colonna, Don Farnese,
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Groß im Heldenbuche lese
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Jede fernste Nachwelt euch;
58
Doch der höchste Stern der Ehren
59
Glänzt euch, spanische Galeeren:
60
Don Juan von Österreich.

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Gold und Silber von den Beuten
62
Sei des Herrn Altar geweiht,
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Alle Glocken sollen läuten
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In der ganzen Christenheit.
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Christensklaven, frei der Bande,
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Ruft es aus durch alle Lande
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Allem Volk am Ufer weit:
68
Bei Lepanto mit den Schiffen
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Hat den Erbfeind angegriffen
70
Und gestürzt die Christenheit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Hermann Lingg
(18201905)

* 22.01.1820 in Lindau, † 18.06.1905 in München

männlich, geb. Lingg

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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