Nordische Sommernacht

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Hermann von Lingg: Nordische Sommernacht (1862)

1
Nordische Sommernacht leuchtet im Schnee,
2
Leuchtet im flutenden Hertasee.

3
Rosige Dämmerung, ruhiger Schein
4
Tropft in die Wellen wie funkelnder Wein.

5
Zwischen erglühenden Buchen am Strand
6
Schimmert das heilige Inselland,

7
Schimmern die Steine des Opferaltars
8
Herta's, der segnenden Göttin des Jahrs.

9
Sommersonnwendnacht, o heilige Zeit,
10
Opfer schon stehn dir am Ufer bereit.

11
Rosse, schneeweiße vom edelsten Blut,
12
Schütteln die Mähnen voll Todesmut,

13
Schlagen die Hufe und schnauben empor,
14
Opferdampf steigt aus den Nüstern hervor.

15
Diener der Göttin, unfreie Geburt,
16
Führen die Schimmel am silbernen Gurt.

17
Sie auch, der Göttin zum Opfer geweiht,
18
Stehen entwaffnet zum Tode bereit.

19
Einer von ihnen, ein Greis, erhebt
20
Freudig sein Haupt, sein Mund erbebt.

21
»schwinde, mein Leben, wie Abendrot!
22
Kurz wie die Sommernacht, kurz ist der Tod.

23
Kaum daß im Dunkel mein Aug' erlischt,
24
Werd' ich vom ewigen Morgen erfrischt.«

25
Sprach's; da erhebt sich ein Jüngling und spricht:
26
»greis, deine Worte versöhnen mich nicht.

27
Kurz, wie der Wintertag, arm und kahl
28
Deucht mich des Lebens so flüchtiger Strahl.

29
Fiel' ich, ja fiel' ich ein Held in der Schlacht,
30
Hell wie die Flamme der nordischen Nacht,

31
Dann, ja dann hätt' ich gelebt und mit Recht;
32
Weh mir! nun sterb' ich ein elender Knecht!«

33
Sprach's, da erschienen vom rauchenden Herd
34
Priester der Göttin mit blinkendem Schwert.

35
Von der Gefangenen Nacken und Fuß
36
Sprudelt zur Erde der sühnende Gruß.

37
Auf und hinaus in die Fluten der Troß!
38
Blutige Männer auf blutigem Roß

39
Schwimmen die schäumenden Wogen entlang;
40
Furchtbar erschallt der Druiden Gesang.

41
Brechende Blicke zum letztenmal
42
Grüßen den scheidenden Sonnenstrahl.

43
Mutiges Wiehern zum letztenmal
44
Schmettert im hallenden Hertatal.

45
Tiefer und tiefer versinken sie bald,
46
Dunkler und dunkler wird Ufer und Wald.

47
Dunkler und stiller wird Ufer und Well',
48
Aber im Osten schon rötet sich's hell.

49
Östlich erglüht es, der Morgen erwacht –
50
Kurz ist die nordische Sommernacht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Hermann Lingg
(18201905)

* 22.01.1820 in Lindau, † 18.06.1905 in München

männlich, geb. Lingg

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.