Die Unschuld

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Ludwig Gotthard Kosegarten: Die Unschuld (1798)

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Ich ging der Warne schönbeblümten Strand
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Entlang. Wie duftet' er! Wie funkelte
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Sein blumiges Gestad' im sanften Strahl
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Der Abendsonne. Rechts beschattet' ihn
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Ein Hayn voll Säusel Gottes; links die Kraft
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Des regen Weizens. Droben wölbte sich,
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Reinausgeheitert durch des Eurus Hauch,
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Der ewge Himmel, spiegelte sich treu
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Mit jeder Purpurlocke, die empor
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Aus Westen flattert', in der einen Fluth.
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So spiegelt Gott der Herr sich selbst mit Lust
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In einer Menschenseele, die noch rein
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Und unverfälscht und gut und redlich ist.

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Ich lagerte mich an des Flusses Saum,
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Von Kalmus rings umduftet. Gottes Hauch
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Umsauste mich. — Da rudert aus dem Schilf,
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Voll hohen Anstands, Adels, Majestät,
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Doch alles Dünkels, alles Wahnes baar,
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Hervor ein königlicher Schwan. Er war
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Weiss angethan, so blendend weiss, als sey
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Sein glänzendes Gefieder aus dem Schaum
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Des Meers geblasen. Langsam rudert' er
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Und ernst einher, sein melancholisch Haupt
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Auf seine reine Brust gesenkt. So fand
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Ich Iden einst, das Auge thränenvoll,
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Den Schwanenhals auf ihre Schwanenbrust
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In stiller Schwermuth einsam hingeneigt.

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Ich lag und lauschte. Stille war umher:
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Die Sonne sank; die Lerche senkte sich
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Tiefkreisend auf ihr Nest im Weizenschlag;
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Und Gottes Odem hauchte leiser. — Horch!
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Da weht' es süss, wie Flötenwirbel wehn,
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Und seeleschmelzend, wie ein Sterbelied,
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Das Heil'ge singen, über Strom und Flur.
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Ich schmolz in süsse Wehmuth. Zwar vernahm
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Ich nicht des Liedes Worte; doch sein Klang
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Durchschütterte mich mächtig, wiegte mich
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In tiefe Träumereyen ein. Ich sah,
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Ich hörte Mütter, die, dem Grabe nah,
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Die Kinder ihres Herzens segneten,
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Und Jungfraun, die zu ewger Reinigkeit
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Sich Gott gelobten; Bräut' und Jünglinge,
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Die Lipp' auf Lippen ihren Lebensgeist
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Ins All der Liebe heiss ausathmeten.
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So däucht' es mir; so klang dem Schwärmenden
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Des Schwanes melancholischer Gesang.

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Und stiller ward der Schwärmer, lauschete
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Und athmete noch leiser, dass ihm nicht
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Des Liedes schwächster Laut entschlüpfte. — Schau!
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Da stieg ein Schwarm von Geyern, Kranichen,
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Von Störchen, Raben, Kibitz, und was sonst
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Unreinen Viehs im blauen Aether schwimmt,
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Wildkreischend in die Wolken. Gottes Tag
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Verdüsterte der Schwarm; sein Zeterschrey,
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Sein heisres Krächzen überwältigte
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Des schönen Sängers schmelzenden Gesang.

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Und ich ergrimmt' im Geist. Mein Herz erschwoll
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In bitterm Unmuth, dass des Kläffers Hohn
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Dich, heil'ge Unschuld, vergewaltigte.
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Ich wälzte mich am blumenvollen Strand,
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Erquetschte Veilchen und Vergissmeinnicht,
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Entrauft' erzürnt dem wilden Rosenstrauch
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Sein grünes Haar, und streut' es in den Wind.
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Nicht so der Schwan. Gross, schweigend und in Ruh
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Der Unschuld rudert' er den Fluss entlang.
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Sein Schneegefieder glänzte durch die Nacht
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Der Frevler rings um ihn, wie durch die Welt
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Voll Bosheit eine gute Seele glänzt.

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Dess grollten ärger noch die Frevelnden,
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Und neue Bosheit keimte, wuchs und reift',
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Im Hui! in ihrer neidgeschwollnen Brust.
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Sie brausten eilig zum verwandten Koth,
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Sie tauchten unter in den zähen Schlamm,
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Belasteten Schweif, Schnabel, Schwing' und Krall'
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Mit ekelhafter Beute, rauschten schwer
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Beladen auf, umstürmten links und rechts
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Den silberweissen Schwan, und schüttelten
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Und klatschten wüsten Schmutz — wie aus der Ess'
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Ein schwarzer Brodem wirbelt, und die Luft
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Verdunkelt — nieder auf den reinen Schwan.
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Da wölkte sich sein blendendes Gewand,
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Die Lilienweisse der gewölbten Brust.
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Der klare Spiegel seiner Schwingen ward
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Verdüstert, wie durch Tück' ein schön Gesicht,
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Entadelt, wie ein Herz durch Bosheit wird.

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Und heisser noch ob solcher Ungebühr
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Ergrimmet, raffet' ich im Zorn mich auf.
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Ich hob den Arm in die Unendlichkeit,
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Zum Sitz des Ewigen den Flammenblick
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Empor, und rief — der Eichwald rief es nach:
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„o Unschuld, Unschuld, hart fiel dir das Loos!
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„o Himmel, Himmel, und du kennest sie,
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„wie rein, wie aller Fehler baar, und säumst
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„sie zu beschirmen, gibst die Reine Preis
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„des Neidharts Ränken und der Frevler Wuth.“

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Nicht so der Schwan. Gross schweigend und in
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Ruh
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Der Unschuld tauchete der Herrliche
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Hinunter in die Fluth, verzog in ihr
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Von Athemzug zu Athemzug, und sieh!
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Noch schimmernder, noch reiner, denn zuvor,
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Enttauchet' er der Fluth. Hinweggespühlt,
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Hinweggefegt war jedes Schmutzes Spur.
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Die dummen Neider sahn ihn, rauschten auf
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In ihrer Ohnmacht knirschendem Gefühl,
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Und flohn zum Aas' im nächsten Thal zurück.
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Der Vogel Gottes aber schwamm getrost
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Voll hohen Anstands, Adels, Majestät,
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Doch alles Dünkels, alles Wahnes baar,
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Hinab die blauen Fluthen. Angeweht
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Von Gottes Hauch, vom lezten rothen Strahl
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Des Tags umgoldet, rudert' er dahin
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In stillem Ernst. Sein melancholisch Lied
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Durchwallte fey'rlicher den dunklern Forst,
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Und stillte siegend mein empörtes Herz.

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Da schämt' ich mich des rohen Ungestüms.
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Erröthend stand ich, wie der ferne West,
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Und thränend, wie der nahe Rosenbusch
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Im Abendthau. — „O Unschuld,“ rief ich aus,
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„o Unschuld, selig bist du. Ewig bleibt
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„dein Antlitz leuchtend, ewig rein dein Kleid!
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„nicht zu beflecken durch des Leumunds Schmutz,
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„nicht zu versehren durch der Kläffer Lug.“

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„o Unschuld, Unschuld,“ rief ich schwärmerisch
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Und brünstig aus — „o bleibe, Himmelskind,
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„mir ewig hold und treu! Und mögst du nie
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„aus meinem Herzen schwinden! Möge nie
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„dein morgenröthlich Licht in meinem Aug',
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„auf meiner Wang' erblassen! — Klaffen mag
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„der Kläffer, zähnefletschen mag der Neid;
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„dein Kleid bleibt weiss, dein Antlitz ewig hell!“

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„o Unschuld, Unschuld!“ rief ich noch, und
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brach
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Die thauende Viole, fügte sie
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Zum stillen Maaslieb, kränzete mir Brust
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Und Schläfe mit der Eiche jüngstem Laub,
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Und ging getröstet und gekräftigt heim.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Gotthard Kosegarten
(17581818)

* 01.02.1758 in Grevesmühlen, † 26.10.1818 in Greifswald

männlich

deutscher Pastor, Professor und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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