Das Halali

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Hermann von Lingg: Das Halali (1862)

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Sein Jagdschloß war auf viele Meilen weit
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Von Forst umgeben, und er jagte da
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Vom ersten Frührot bis zur Dunkelheit
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Auf alles, was er leben sah.
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Er schoß den Hirsch, das Reh, den Reiher,
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Den Falken und die Entenschar im Weiher.
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Parforcejagd war sein Höchstes, oder Wild
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Im Bau gepackt vom Hund. Den Troß, die Meute
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Und das Halali stellte dar manch Bild
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Im Schlafgemach, im Speisesaal; die Beute
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Darüber hängend zeigte rings Geweih
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Und seine Lust und Augenweid' in Schränken:
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Gewehre, Pulverhörner, Haufen Blei.
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Gebreitet lagen über Tisch und Bänken
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Erlegter Tiere Decken und darauf
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Die Becher und die Leuchter aus Gebeinen;
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Denn außer Jagd und Mast von wilden Schweinen
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War noch das Zechgelag sein Lebenslauf.

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Es kam der Krieg, und alsobald
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Ward aufgebrochen und ins Feld gezogen.
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Auch da war oft die Szene noch der Wald,
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Doch kam auf ihn das Blei jetzt hergeflogen,
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Und einst – sieh da – traf eine Kugel ihn,
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Den Jäger, in die Brust. Er schleppte lechzend
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Nach einem Bach sich unter Tannen hin
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Und hauchte dort, nur hie und da noch ächzend,
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Ganz einsam still sein Leben aus,
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Ganz wie das Wild, dem er so oft zu Haus
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Das gleiche Los bereitet hatte. Ferne
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Verhallte das Getös der Schlacht,
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Und durch die Tannen schien das Licht der Sterne.

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Da schlich ein Leichenräuber durch die Nacht;
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Er sah den Toten liegen, bog
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Sich über ihn und zog
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Ein Weidmannsmesser aus der Tasche, schlitzte
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Das Koller auf, aus dem es rann
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Wie Wellen laut'res Golds, und schnitt sodann
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Den Finger durch, an dem ein Demant blitzte.
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Er riß mit einem zweiten Griff
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Ein Kettlein aus der Brust, wie seinen Fang
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Ein Habicht packt, dann schlich er sich entlang
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Des Baches fort, indem er etwas pfiff,
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Was frisch und froh wie ein Halali klang.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Hermann Lingg
(18201905)

* 22.01.1820 in Lindau, † 18.06.1905 in München

männlich, geb. Lingg

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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