Spartacus

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Hermann von Lingg: Spartacus (1862)

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Versammelt hielt sein Sklavenheer
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Der Thracier Spartacus am Meer,
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Und auf zum rauchenden Vesuv
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Erklang der wilde Freiheitsruf:
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Von nun an Männer, nicht mehr Sklaven
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Erheben wir das Schwert und strafen
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Der Unterdrücker Übermut.
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Du Berg dort, blitz in unsre Rache!
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Der Menschheit ganzes Herz erwache
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In uns um ihr verlornes Gut.
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Germanen, Scythen, Perser, Parther,
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Illyrier, Gallier, Dacier, Sparter,
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Jetzt treffet, daß die Wunde klafft!
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Wir waren lang genug die Schlächter
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Für dieses Volkes Blutgelächter,
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Genug die Mörder unsrer Kraft.

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Ein Tiger lauert in der Schlucht.
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Auf, Nubier, jagt ihn in die Flucht!
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Ein Wolf ist's, Cimbern, der euch droht,
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Schwingt eure Keulen, schlagt ihn tot!
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Beweis't die Kraft in euren Sehnen,
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Die ihr so oft in den Arenen
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Beim lauten Beifallruf erprobt!
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Doch diesmal, wenn der Sand zerstoben,
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Soll euch der tote Römer loben,
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Wie lebend er euch nie gelobt.
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Erhebt die Schwerter, schwingt die Sensen!
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Gebt ihnen Feste, gebt Circensen,
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Gebt einen Gladiatorenkampf!
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Kämpft, kämpft, bis über Leichenwogen
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Das Roß der Ritter Purpurtogen
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In Staub zum Rost der Kette stampf'!

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Zerfallen muß dies Pantheon,
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Dies Rom, wie ein Koloß von Ton;
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Sein Ruhm werd' aus der Welt gewischt,
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Wie Nachts ein Meteor erlischt.
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Herab von ihren Marmortreppen
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Wird man der Wölfin Beute schleppen,
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Hinab in alle freie Welt;
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Bald tönt das Echo freier Lieder
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Durch Thraciens Gebirge wider
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Zum nordumstürmten Hirtenzelt;
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Erblühn wird wieder Saat den Fluren,
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Wo sonst die Siegeswagen fuhren,
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Für die der Erdkreis schien zu schmal.
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Zum Kampf denn, Römer! Laßt uns streiten!
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Es grüßen euch die Todgeweihten,
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Und so wie heut zum letztenmal!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Hermann Lingg
(18201905)

* 22.01.1820 in Lindau, † 18.06.1905 in München

männlich, geb. Lingg

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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