Die Meerfahrt des Bacchus

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Hermann von Lingg: Die Meerfahrt des Bacchus (1862)

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Ehrt den Genius kühner Taten,
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Höhnet seiner Milde nicht!
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Schiffer wollten einst verraten
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Jenen Gott, der Fesseln bricht;
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Aber daß er sie auch flicht,
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Mußten die Verruchten bald gewahren,
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Als sie auf dem Meere waren.

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Ihn nach Naxos hinzuführen,
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Hatten sie mit Mund und Hand
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Zugesagt in hohen Schwüren;
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Aber als der Tag entschwand,
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Ließen sie das Inselland –
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Alle Segel schleunigst aufgezogen –
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Seitwärts liegen in den Wogen.

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Sie berieten sich im Kreise
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Und erwogen her und hin,
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Wie sie wohl zum höchsten Preise
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Ihn verkaufen möchten, ihn,
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Der so hold und sanft erschien.
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Gold in Fülle würden selbst die Scythen
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Für den schönen Jüngling bieten.

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Drauf nach Asien hin das Steuer
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Lenkten sie, gewinnbetört;
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Doch da zückten ringsum Feuer,
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Denn er hatte sie gehört
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Und von edlem Zorn empört
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Die verräterischen Raubgenossen
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Zu bestrafen schon beschlossen.

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Sieh! es biegen sich die Stangen,
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Mast und Ruder krümmen sich
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Und verwandeln sich in Schlangen;
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Wo die Segel abendlich
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Kaum vorher der Wind bestrich,
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Winden um den Kiel und um die Planken
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Reben sich und Efeuranken.

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Immer stärkre Zweige packen
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Einen nach dem Andern fest;
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Strauchelnd sehn sie Arm und Nacken
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In der Bande Joch gepreßt,
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Horch! und wie zu frohem Fest
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Tönen unsichtbar dazu Gesänge,
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Cymbeln und Oboenklänge.

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Das Verdeck wird von Mänaden,
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Panthern und Bacchanten voll,
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Wo den Trauben hochgeladen
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Überall nun Wein entquoll;
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Aber Jene, schreckentoll,
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Stürzen, an den Ranken fortgezogen,
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Sich kopfüber in die Wogen.

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Doch als Schwärme von Delphinen
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Tauchen sie sogleich empor,
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Tummeln, wie dem Gott zu dienen,
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Nach den Tönen sich im Chor.
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Einer eilt dem Schiffe vor,
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Um die Andern schlingt mit hellem Liede
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Triton sich und Nereide.

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»deiner Macht soll innewerden,
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Siegesheld Dionysos,
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Was im Meer lebt und auf Erden!«
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Klang es aus dem Wellenschoß;
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Strahlend Licht herniederfloß
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Von dem Zwiegestirn der Dioskuren,
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Dem sie froh entgegenfuhren.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Hermann Lingg
(18201905)

* 22.01.1820 in Lindau, † 18.06.1905 in München

männlich, geb. Lingg

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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