Wär's nicht genug, im Herzen fortzudauern?

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Hermann von Lingg: Wär's nicht genug, im Herzen fortzudauern? Titel entspricht 1. Vers(1862)

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Wär's nicht genug, im Herzen fortzudauern?
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Bedürft' er einer andern Huldigung,
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Der Genius, als daß die Besten trauern,
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Wenn seine Harfe riß in jähem Sprung?
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Und doch! Wenn ihm die Welt in frommen Schauern
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Den Dank beut eherner Vergötterung,
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Ein Bild des Ruhms für tausend Müh'n und Zähren:
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Auch das ist schön und gut; laßt sie gewähren!

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Die Asche weht im grauen Sturm durch Klüfte
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Von Ätna's überschneiten Höh'n herab,
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Der Ölbaum kränzt den Schutt verfallner Grüfte
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Am Golf, dem Syrakus den Namen gab.
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Dort schatten Lorbeern, wehen Blütendüfte
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Um eines deutschen Dichters einsam Grab,
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Der hier verblutend an langsamen Wunden
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Im fremden Land die letzte Rast gefunden.

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Nicht hat sein Volk den schwer von Gram Gekränkten
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Vergessen, den von innrer Glut zernagt
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Zum Süden Stolz und Durst nach Schönheit lenkten,
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Da ihm die Heimat, was er bat, versagt.
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Doch die ihm dort den freien Blick beschränkten,
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Die, selbst als er den höchsten Flug gewagt,
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Den Alpenrückweg dunkelnd ihm verschlossen,
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Die Wolken jener Zeit, sie sind zerflossen.

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Nicht schüchtern mehr, wie zage Jünger, drängen
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Um ihren Sänger sich, die ihn gekannt.
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Das ganze Volk schon horchet den Gesängen,
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Er kam nach Hause, der sich selbst verbannt.
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Kein Fremdling ist sein Geist mehr; deinen Klängen,
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Ghasel, hat unser Ohr sich zugewandt;
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Wir tranken all' am Melodienborne,
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Der Platen's Brust entströmt' in Lieb' und Zorne.

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Die Lose rollten vor den ernsten Richtern,
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Den Jahren, dunkel erst und endlich hell.
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Wir nennen ihn mit unsern besten Dichtern:
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Des Ostens zarte Glut, der goldne Quell
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Des Südens reiften ihn zu immer lichtern
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Entfaltungen. Die Kräfte wuchsen schnell
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Dem für sein Vaterland, des Ruhmes Wiege,
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Entflammten Krieger im Befreiungskriege.

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Dem Norden ist die Sehnsucht eingeboren,
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Es kennt die Sehnsucht, wer Italien kennt.
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Venedigs alter Glanz, heraufbeschworen,
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Erfüllt' ihn dort und Meer und Firmament.
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Dort zeichnet' er leicht wie den Tanz der Horen
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Die Bilder aus Neapel und Sorrent
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Und grüßt' im würdevollen Schritt der Alten
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Des Lebens und der Unterwelt Gestalten.

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Und wie im Chor von Deutschlands besten Söhnen,
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Den Helm vom jungen Eichenzweig umlaubt,
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Er einst in schüchternen, doch tapfren Tönen
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Das Heil der Zukunft sang, das er geglaubt,
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So mocht' er niemals sich des Lichts entwöhnen,
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Das früh geweckt sein träumend Dichterhaupt,
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Und hat in guten wie in schlimmen Tagen
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Der Freiheit Banner wie ein Held getragen.

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Nun ist's errungen ihm, der treu vor Allen
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Als Ringer stand, ein Mal im Strom der Zeit.
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Und wenn nun bald, indes die Schleier fallen,
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Des Frührots Strahl das Erz verklärend weiht,
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Dann wird ein Klang memnonisch ihm entschallen,
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Ein hoher Festgruß der Unsterblichkeit,
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Und heilig Weh'n wird rauschen in den Zweigen
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Der Lorbeern, die auf Platen's Gruft sich neigen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Hermann Lingg
(18201905)

* 22.01.1820 in Lindau, † 18.06.1905 in München

männlich, geb. Lingg

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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