An meine pompejanische Lampe

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Hermann von Lingg: An meine pompejanische Lampe (1862)

1
Werd' ich von dir mich müssen scheiden,
2
Trauliche Leuchte, holdes Licht?
3
Wie mild dein Glanz in meine Leiden
4
Versöhnung bringt und ruhig spricht:
5
Verzage nicht!

6
Ich will mit frischem Öl dich netzen:
7
Es quillt ein Schlummer aus dem Mohn.
8
Was könnte mir dein Licht ersetzen?
9
Es leuchtet mir zum Helikon
10
Aus dunklem Thon.

11
Wenn heim der Wandrer vom Vesuve
12
Dich Totenlampe mitgebracht,
13
So war's zum freundlichen Berufe,
14
Daß du ihm leuchtest neuentfacht
15
In stiller Nacht.

16
Gedenkst du auch noch deines Hauses?
17
Aus einer Marmorlarve sprang
18
Ein Brunnen fröhlichen Gebrauses
19
Und rauschte schöne Nächte lang
20
Im Säulengang.

21
Erinnerst du dich noch des Alten
22
Vor Rollen in dem Schlafgemach,
23
Der sorglich dich emporgehalten,
24
Die Siegel auf dem Brief erbrach
25
Und Griechisch sprach?

26
Bei Schatten, Freundin meiner Muße,
27
Verschliefst du ein Jahrtausend, taub
28
Dem Licht und seinem holden Gruße,
29
Im Grabmal bei der Flammen Raub,
30
In Schutt und Staub.

31
Nun horchst du wieder Menschenträumen,
32
Der Nachtluft stillem Atemzug.
33
Es kommt zu dir aus Blütebäumen
34
Die Motte, die zu dir im Flug
35
Begierde trug.

36
Doch ach, anstatt zu fernen Liedern,
37
Scheinst du vielleicht bald meiner Gruft;
38
Den kalten Gruß mußt du erwidern
39
Der Leichenkerze, statt dem Duft
40
Der Frühlingsluft.

41
Die Seele, der dein Licht jetzt funkelt,
42
Tauscht, kleine Leuchte, dann mit dir
43
Und wandelt unten, tief umdunkelt,
44
Indes du oben leuchtest hier
45
Und zeugst von ihr.

46
Kommt dann ein Schmetterling geflogen,
47
Fragst du, wo ist der Freund denn jetzt,
48
Mit dem ich oft Gespräch gepflogen,
49
Der spät sich noch zu mir gesetzt
50
Und mich genetzt?

51
Nein, wache nur ob einem Schlummer,
52
Der Tagesmühen unterbricht!
53
In Traum versinke Gram und Kummer –
54
Du traute Leuchte, holdes Licht,
55
Erlisch noch nicht!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Hermann Lingg
(18201905)

* 22.01.1820 in Lindau, † 18.06.1905 in München

männlich, geb. Lingg

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.