Auf dem Vesuv

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Hermann von Lingg: Auf dem Vesuv (1862)

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Wir hatten uns am Kraterrand
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Die Fackeln angezündet
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Und schwangen nun in unsrer Hand
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Die Glut vom Feuerherde,
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Der aus dem Grund der Erde
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In Flammen sich entschlündet.

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Ich ließ voraus den Führer gehn
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Und blieb in Nacht und Stille
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Allein noch bei den Felsen stehn,
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Nur über mir die Sterne,
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Nur tief aus dunkler Ferne
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Der Nachtgesang der Grille.

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Nur hie und da ein Meteor
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Stieg aus den Kratertiefen
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Ins schweigende Azur empor
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Und zeigte mir die Spuren
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Erloschner Lavafluren,
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Die ringsum lautlos schliefen.

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Welch ungeheures Totenreich!
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Und außer mir kein Leben,
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Kein Leben fühlt' ich, und zugleich
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Fühlt' ich ein tödlich Trauern,
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Ein namenloses Schauern
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Mein einsam Herz durchbeben.

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Ich sah in dieser dunkeln Kraft,
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Die ewig gärt und nimmer
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Trotz aller Gluten Segen schafft,
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Das Abbild eines Strebens,
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Das groß ist, doch vergebens,
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Das schön ist, doch nur Schimmer.

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Unendlich einsam fühlt' ich mich;
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Mir war's, als ob der warme
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Aus meiner Brust der Odem wich',
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Als sänk' ich schon den kalten
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Planetischen Gewalten
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Versteinert in die Arme.

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Und eine Sehnsucht ging mich an
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Nach oft geschmähten Banden;
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Mich zog's nach allem Weh und Wahn
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Des Erdenlebens wieder.
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Erhöhter stieg ich nieder,
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Als oben ich gestanden.

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Wie leuchtete das Licht so schön
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Aus den gestirnten Fluren
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Auf Buchten, Haine, Rebenhöh'n
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Durchs Dunkel der Kastanien!
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Die Nacht lag auf Campanien
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Und auf dem Meer azuren.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Hermann Lingg
(18201905)

* 22.01.1820 in Lindau, † 18.06.1905 in München

männlich, geb. Lingg

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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