Frisch wie des Gletschers Quelle

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Luise Büchner: Frisch wie des Gletschers Quelle Titel entspricht 1. Vers(1849)

1
Frisch wie des Gletschers Quelle
2
Hervorspringt in das Thal,
3
Entzückt, daß ihre Welle
4
Begrüßt des Tages Strahl,
5
Und brausend nun zerschläget
6
Ihr Bett von Felsgestein,
7
Nachdem sie sich beweget
8
So lang in Nacht allein; –

9
So frisch und so urkräftig
10
Herrn Corsant es durchwallt,
11
So war in ihm geschäftig
12
Der Liebe Allgewalt;
13
Es sprenget ihre Quelle
14
Mit um so höh'rer Lust
15
Die eigensinn'ge Schwelle
16
Der kalten Felsenbrust.

17
Rasch wollt' er sich erretten
18
Aus seiner Buße Nacht,
19
Nun seufzet er nach Ketten,
20
Die er so oft verlacht.
21
Wo sind der Heimath Sorgen?
22
Was kümmert ihn Turin?
23
Mit jedem neuen Morgen
24
Sieht man zum Schloß ihn ziehn.

25
Dort unter jenen Bäumen,
26
Wo er zuerst sie sah,
27
Geht er in wachen Träumen,
28
Bis sie ihm wieder nah;
29
Bis sie lustwandelnd kommen,
30
Frau Bertha mit dem Kind,
31
Jolanthe zwar beklommen,
32
Das Herz doch frohgesinnt.

33
Zum Seufzen doch und Schmachten
34
Läßt Bertha ihm nicht Zeit,
35
Wollt' er die Lieb' verachten,
36
Fühl' er auch jetzt ihr Leid.
37
Er möcht' so gern ihr sagen,
38
Was tief sein Herz bewegt –
39
Mit tausend lust'gen Fragen
40
Sie stets zurück ihn schlägt.

41
Jolanthe zittert freilich,
42
Wie sie ihn neckt und plagt.
43
»ihr hattet's doch so eilig,
44
Wann zieht Ihr heim denn, sagt?
45
Warum geht Ihr nicht holen
46
Am Hof des Herzogs dort,
47
Wie ich es doch befohlen,
48
Für Euch ein Weib sofort?«

49
»weil ich nur hier will minnen«,
50
Herr Corsant drauf entbeut,
51
»ich streb' mit allen Sinnen
52
Nach einer Schweizermaid.«
53
»dann bleibet hier nicht stehen,
54
Sonst seid Ihr übel dran,

55
»und doch will hier ich freien,
56
Frau Bertha von Blonay,
57
Trotz Euren Schelmereien
58
Bleib' ich in Eurer Näh'!«
59
Er mochte schon vertrauen
60
Auf seinen Uebermuth,
61
Die Augen dort, die blauen,
62
Sie machen alles gut.

63
Sie sprechen so herzinnig
64
Von süßer Lieb' und Treu',
65
Und flehen doch so innig,
66
Voll zarter Mädchenscheu.
67
»o schweige noch, du Trauter,
68
Daß noch kein Hauch gesteht
69
Der Seele heil'gen Schauder,
70
Der wonnig uns durchweht.«

71
Er muß sich vor ihr neigen
72
In sel'ger Trunkenheit,
73
Dann bringt ihr banges Schweigen
74
Ihm neue Traurigkeit;
75
Aufs neue weilt voll Sorgen
76
Auf ihr sein Sehnsuchtsblick,
77
»geduld, noch gibt's ein Morgen!«
78
Schaut lächelnd sie zurück.

79
O Knospe junger Liebe,
80
Die sich entfaltet still,
81
Und noch in sprödem Triebe
82
Den Kelch nicht öffnen will,
83
Du gleichst der Alpen-Frauen
84
Erhabner Majestät,
85
So hat bei deren Schauen
86
Ihn Ehrfurcht tief umweht!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Luise Büchner
(18211877)

* 12.06.1821 in Darmstadt, † 28.11.1877 in Darmstadt

weiblich, geb. Büchner

deutsche Frauenrechtlerin und Schriftstellerin

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.