Im Schatten dieser Bäume

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Luise Büchner: Im Schatten dieser Bäume Titel entspricht 1. Vers(1849)

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Im Schatten dieser Bäume,
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Auf weichem grünen Gras
3
Herrn Simon's schöne Gattin
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Mit ihrer Base saß.

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Sie hielt ihr junges Kindlein
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Fest an der jungen Brust,
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Das dunkle Auge blickte
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Darauf in sel'ger Lust.

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Und schwarze Locken wallen
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Um ihren Nacken klar,
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Es blühen ihre Lippen,
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Ein thanig Rosenpaar.

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Wie die der West umfächelt,
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So übermüth'ger Scherz
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Sie schalkhaft stets umlächelt,
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Frisch, wie ihr frisches Herz.

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Ihr ganzes Wesen funkelt,
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Ein blitzender Demant –
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Jolanthe ist der Perle
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Anmuth'gem Schmuck verwandt.

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Um ihre weiße Stirne
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Lockt golden sich das Haar,
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Es blickt ihr blaues Auge
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So hell darein und klar.

25
So deutlich gab sein Schimmer
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Die reinste Seele kund,
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Wie man jed' Steinchen siehet
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Tief auf des Sees Grund.

29
Mit fröhlichem Geplauder
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Betrügen sie die Zeit –
31
Da rauscht es in den Büschen,
32
Herr Corsant ist nicht weit,

33
Er sieht die beiden Frauen –
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Ein sonnenhelles Bild,
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Umrahmt von grünen Zweigen,
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Umkost von Lüften mild.

37
Das ist ein ander Schauen,
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Als dort auf dem Turnei!
39
War es denn eine Buße,
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Zu knie'n vor diesen Zwei?

41
Er mag es nicht erwägen
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In dem erregten Sinn,
43
Schnell tritt er aus dem Schatten,
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Knie't vor die Mutter hin.

45
Jolanthe springt erschrocken
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Hin nach des Schlosses Thor,
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Frau Bertha hebt gelassen
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Das schöne Haupt empor.

49
Ihr kluges, dunkles Auge
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Befraget, eh's erschrickt, –
51
So hat ihn oft beim Jagen
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Ein Rehlein angeblickt.

53
»gegrüßt seid, edle Dame,«
54
So sprach Herr Corsant nun,
55
»verzeiht, daß ich Euch störe
56
In Eurem heitern Thun.

57
Allein, ein arg Verschulden
58
Führt mich zu Euch hierher –
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Daß sie es selbst muß künden,
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Das fällt der Zunge schwer.

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Beim festlichen Gelage
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Am Hofe zu Turin,
63
Da schmähte ich die Ehe
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In übermüth'gem Sinn.

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Mit Eurem edlen Gatten
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Mußt' ich drum kämpfen gehn,
67
Mußt' mich im Staube lassen
68
Vor'm ganzen Hofe sehn.

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Stark hat er mich besieget,
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Beseelt durch Eure Huld –
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Die Damen dort verziehen
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Mir gnädig dann die Schuld.

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Sie auch bei Euch zu sühnen,
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Kreuzt' ich Gebirg und See.
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O, wollet mir vergeben,
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Frau Bertha von Blonay.

77
Daß ich verlacht die Ehe,
78
Wie es mir dort geschehn –
79
Nie hätt's mein Mund gewaget,
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Wenn Euch das Aug' gesehn!«

81
Wie lachte da Frau Bertha,
82
Als ihr ward solches kund,
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Daß so gesiegt ihr Gatte
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Für seinen Liebesbund.

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Wie schlug ihr Herz voll Freude
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In heil'ger Wonn' und Lust,
87
Wie drückte sie das Knäblein
88
So glücklich an die Brust.

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Ihm rann es durch die Adern
90
Gleich dunklem Feuerwein,
91
So hat auf ihn geblicket
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Auch einst sein Mütterlein

93
Vor langen, langen Jahren,
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In einer goldnen Zeit,
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Die fast ihm war entschwunden
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In dunkle Fernen weit.

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Noch lag er auf den Knieen
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Und sah zu ihr hinauf,
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Da hob sie schalkhaft drohend
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Den weißen Finger auf.

101
»ihr seid ein schlimmer Ritter,«
102
So fing sie lachend an,
103
»und Euch ist Recht geschehen,
104
Daß Euch besiegt mein Mann.

105
Doch wär' ich dort gewesen
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An jener Tafelrund,
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Noch härt're Strafe hätte
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Verkündet Euch mein Mund.

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Seid Ihr ein Frau'nverächter,
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Soll's Euer Schade sein –
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Im Leben nie zu frei'n,

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Im Arme nie zu wiegen
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Ein Kindlein liebewarm,
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Zu leben und zu sterben
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Am reichsten Glücke arm!«

116
Jolanthe, die zurücke
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Gekehrt war an den Ort,
118
Erröthete und seufzte
119
Bei diesem letzten Wort.

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Und auch Herrn Corsant fiel es
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Gar schwer auf's leichte Herz:
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»so grausam, edle Dame,
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Seid Ihr wohl nur im Scherz.

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Ich komme mit den Jahren
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Auch noch zum Ehestand,
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Der Väter Schloß und Erbe
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Soll nicht in fremde Hand.

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Doch dies noch muß ich melden,
129
Daß schon in kurzer Frist
130
Herr Simon, Euer Gatte,
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Zu Euch gekehret ist.

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Ich sollte mit ihm ziehen,
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Allein voll Ungeduld
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Kann ich es nicht erwarten,
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Bis frei ich meiner Schuld.

136
Drum einmal noch um Gnade
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Fleh' ich im Staub Euch an,
138
Wollt Ihr mir nicht vergeben,
139
Damit ich fürbaß kann?«

140
»nein, nein, mein edler Ritter,
141
Bleibt hier nur auf der Stell',
142
Solch unerhört Verbrechen
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Verzeiht man nicht so schnell.

144
Und meines Gatten Bote
145
Darf ungeehrt nicht geh'n;
146
Herr Simon würde schelten,
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Ließ' solches ich gescheh'n.

148
Zwar kann ich Euch nicht laden
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Ins Schloß zu süßer Rast, –
150
So lang mein Gatte ferne,
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Herberg' ich keinen Gast.

152
Allein auf morgen will ich
153
Erbitten aus dem Land
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Zum Mahl die Herr'n und Frauen,
155
Die unserm Blut verwandt.

156
So lang will ich's bedenken,
157
Ob man Euch kann verzeih'n;
158
Herr Ritter Felsenherze,
159
Ich lad' Euch höflichst ein!«

160
Herr Corsant sprang vom Boden,
161
Der Scherz war ihm schon recht:
162
»ihr macht, wohledle Dame,
163
Vom Ritter mich zum Knecht.

164
Ich muß Euch wohl gehorchen,
165
Wie Ihr auch schnöde sprecht;
166
Die Damen an dem Hofe
167
Sind kein so spröd' Geschlecht.

168
Ihr lehret mich auf's neue,
169
Daß gegen Frauenlist
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Und gegen Frauenwille
171
Nicht aufzukommen ist.

172
Zur Stund' wollt' ich noch kehren
173
Zum Hofe von Turin,
174
Nun muß ich freilich harren,
175
Bis Ihr mir habt verziehn!«

176
Dann neiget er sich grüßend,
177
Sein Auge aufwärts blitzt –
178
Gar lieblich stand Jolanthe,
179
Auf Bertha halb gestützt.

180
Mit eilig raschem Schritte
181
Er dann zum Geh'n sich dreht,
182
Noch einmal rückwärts schauend,
183
Eh' er dem Blick entgeht.

184
Und als er nun in Vevay
185
Sich endlich ruhte aus,
186
Da zogen holde Träume
187
Ihm durch die Sinne kraus.

188
Es schwamm ihm vor den Blicken
189
So wundersam und blau;
190
Sind es die Zauberwellen?
191
Sind's Augen einer Frau? –

192
Frau Bertha aber denket:
193
»herr Ritter lieb und gut,
194
Du sollst mir schon entgelten
195
Noch deinen Uebermuth!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Luise Büchner
(18211877)

* 12.06.1821 in Darmstadt, † 28.11.1877 in Darmstadt

weiblich, geb. Büchner

deutsche Frauenrechtlerin und Schriftstellerin

(Aus: Wikidata.org)

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