Unwegsame, rauhe Pfade mußte nun Herr Corsant zieh'n

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Luise Büchner: Unwegsame, rauhe Pfade mußte nun Herr Corsant zieh'n Titel entspricht 1. Vers(1849)

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Unwegsame, rauhe Pfade mußte nun Herr Corsant zieh'n,
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Die Gigantenwelt der Alpen thürmt sich furchtbar um ihn hin,
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Wo der alte Bergesriese geisterhaft das weiße Haupt
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Kühn und trotzig bis zur Sonne beinah' zu erheben glaubt.

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Neben ihm mit wildem Donner die Lawine niederkracht,
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Brausend wälzet sich der Bergstrom durch den tiefen Felsenschacht,
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Gletscher stürzen in die Thäler, die sich winden schmal und eng
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Durch die schroffen Bergeswände und der Felsen wild Gedräng.

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Tagelang zieh'n so sie weiter, seh'n von Menschen keine Spur,
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Ganz allein im weiten Umkreis dieser mächtigen Natur,
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Ganz allein auf Bergeshöhen, wo das Echo einzig spricht,
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Und der Pfiff des Murmelthieres nur das Schweigen unterbricht.

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Oft den nächsten Schritt verdeckend schwarz der Nebel sie umwallt,
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Zu dem Abgrund lockt der Schwindel mit dämonischer Gewalt,
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Trügerisch entweicht dem Fuße oft der Stein, auf dem er ruht –
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Tausend Schrecken schickt die Wildniß ihrem Feind, der Menschenbrut.

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Ei, Herr Corsant, einst so muthig mit dem Schwert und dem Pokal,
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Hier zu überwinden gilt es auch Gefahren ohne Zahl,
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Und das Naß, das lohnt dem Sieger, ist kein rother Feuerwein,
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Der Krystall nur ist's der Quelle, sprudelnd aus dem Felsgestein.

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Doch so keck, wie beim Gefechte, zieht er seinen Weg zumal,
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Bald hinauf die steile Höhe, bald hinunter in das Thal,
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Und wie liebt er bald die Reise, mehr als jede träge Ruh' –
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Tausend ungekannte Freuden, Wildniß, schenkst dem Menschen du,

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Der sich furchtlos deinem Herzen, deiner stolzen Schönheit naht.
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Wie beredtsam ist dein Schweigen, wie entzückt dein wilder Pfad!
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Eben bebte noch die Seele grauserfüllt vor dir zurück,
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Und zum schönsten Bilde führest du im nächsten Augenblick.

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Plötzlich tritt der Fuß auf Matten, mit Genzianen blau gestickt,
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Eben sproßte noch kein Gräslein, jetzt die Alpenrose nickt
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An den steilen Bergeswänden, die umgrenzen eng und schmal,
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Eingefaßt von dunkeln Tannen, ein glückselig Alpenthal.

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Buntgefleckte Kühe weiden würz'ge Kräuter voll von Duft,
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Leise tönen ihre Glocken durch die frische, reine Luft,
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Und des Sennen braune Hütte öffnet schon ihr Pförtchen weit,
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Einen Wandrer zu empfangen, zu bewirthen gleich bereit.

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Ew'ger Friede scheint zu wohnen in dem engen, stillen Thal,
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Jede Sehnsucht scheint gestillet, überwunden jede Qual.
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Ach! wie liegt die Welt so ferne, ihr Geräusch, ihr Kampf und Streit!
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Selig ist's, sie zu entbehren in so holder Einsamkeit.

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Und Herr Corsant springt vom Pferde, wirft sich auf den Rasen hin,
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Fühlte nie so tief beweget sich in seinem spröden Sinn,
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Alles möchte er vergessen, was ihn stürmisch sonst bewegt,
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Nimmer mehr dies Thal verlassen, das den Frieden in sich trägt.

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Rund um ihn in duft'ger Ferne ragt der Alpen Majestät,
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Sie die Einz'gen auf der Erde völlig wandellos und stät,
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Alles folgt des Wechsels Zuge, sie steh'n ewig weiß und rein, –
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Sollen sie ein Bild des Todes, oder treuster Dauer sein?

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Treuer als der Menschen Herzen, treuer als des Lebens Glück,
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Strahlen seit dem Schöpfungstage sie der Sonne Gluth zurück,
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Und wie jetzt sie rosig stehen, angehaucht von ihrem Kuß,
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Sich Herr Corsant eine Thräne von der Wimper trocknen muß.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Luise Büchner
(18211877)

* 12.06.1821 in Darmstadt, † 28.11.1877 in Darmstadt

weiblich, geb. Büchner

deutsche Frauenrechtlerin und Schriftstellerin

(Aus: Wikidata.org)

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