»wissen willst du, was ich leise seufze

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Luise Büchner: »wissen willst du, was ich leise seufze Titel entspricht 1. Vers(1849)

1
»wissen willst du, was ich leise seufze,
2
Warum Trauer meine Stirn umhüllt?
3
Nicht gering, o Cormar, ist mein Kummer,
4
Meine Kinder ruh'n in Todesschlummer
5
Und von Schmerz ist meine Brust erfüllt!

6
Armin ist der Letzte seines Stammes,
7
Seine Glieder werden schwach und alt –
8
Finster ach! o Daura, ist dein Bette,
9
Tief dein Schlaf an kalter Grabesstätte,
10
Deiner Stimme Melodie verhallt.

11
Herbsteswinde, rauschet durch die Haide!
12
Bergesströme, brauset wild empor!
13
Stürme tobet in dem Haupt der Eichen,
14
Lass' dein Angesicht, o Mond, sich zeigen,
15
Tritt aus halb zerriss'nen Wolken vor!

16
Bring' die Trauernacht vor meine Blicke,
17
Die Arindal, Daura mir entriß –
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Daura, weißer als des Schwanes Flügel,
19
Lieblich, wie das Mondlicht an dem Hügel,
20
Gleich dem Hauch der Frühlingslüfte süß.

21
Flüchtig war Arindal's Speer im Felde,
22
Rothe Wetterwolke war sein Schild,
23
Sanft sein Blick wie Nebel auf der Welle –
24
Armar kam, ein Krieger stark und schnelle,
25
Daura trug im Herzen tief sein Bild. –

26
Erath's Bruder Armar hat erschlagen,
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Den zu rächen, Erath kam daher,
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Kam, gekleidet wie des Meeres Söhne,
29
Weiß die Locke, sanft der Stimme Töne,
30
Leicht sein Nachen schaukelt auf dem Meer.

31
›schönstes Mädchen, holde Daura«, sprach er,
32
Aus dem Meer hebt dort ein Felsen sich,
33
Rothe Frucht glänzt durch des Baumes Zweige,
34
Den er trägt – in meinen Nachen steige,
35
Dort harrt Armar, zu ihm führ' ich dich!‹

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Und sie ging und rief nach ihm, doch Antwort
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Nur das Echo gab, sie rang die Hand:
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›armar, was erfüllst du mich mit Zagen,
39
Daura, ruft dich, hör' ihr banges Klagen!‹ –
40
Erath, der Verräther, floh zum Land.

41
Sie erhob der Stimme Klagetöne,
42
Rief Arindal's, meine Hülfe an,
43
Von dem Felsen klang ihr Rufen wieder,
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Von den Hügeln stieg Arindal nieder,
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Rauh mit Jägerkleide angethan.

46
Fand den stolzen Erath an der Küste,
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Fest er an der Eiche Stamm ihn band,
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Laut sein Schmerzgeheul die Luft durchschneidet;
49
Durch die Fluth Arindal's Nachen gleitet,
50
Daura schnell zu führen an das Land.

51
Da kam Armar her in seinem Grimme,
52
Der beschwingte Pfeil vom Bogen flog,
53
Flog,
54
Dein's an Erath's Statt, dem er erkoren –
55
Todesnacht dein treues Aug' umzog!

56
Ihm entsinkt das Ruder, an dem Felsen
57
Strebt' er noch empor – da bricht sein Herz!
58
Welches war, da du zu deinen Füßen
59
Sahst des Bruders Blut in Strömen fließen –
60
Welches war, o Daura, war dein Schmerz!

61
An den Klippen ist das Boot zerschmettert,
62
Armar stürzt sich in das wilde Meer,
63
Seine Daura will er kühn erretten,
64
Oder sich in dunkle Fluthen betten –
65
Weh! er sinkt und kehret nimmermehr!

66
Auf dem seeumwogten Felsen jammernd
67
Meine Tochter saß in ihrer Qual,
68
Sie zu retten war ich nicht im Stande,
69
Weilt' die ganze Nacht am Meeresstrande,
70
Sah sie bei des Mondes bleichem Strahl.

71
Kalter Regen peitscht der Berge Seiten,
72
Laut dazwischen heult des Nordens Wind,
73
Schwächer ward beim Morgenlicht ihr Weinen,
74
Schwand dahin, wie auf bemoosten Steinen
75
Leise seufzend stirbt der Abendwind.

76
Einer Blume gleich vom Sturm gebrochen,
77
So sank Daura schmerzbeladen hin,
78
Du, o Armin! bliebst allein von Allen!
79
Bei den Frauen ist mein Stolz gefallen,
80
Meine Macht im Kriege schwand dahin! –

81
Wenn in's Thal die Stürme niederbrausen
82
Und der Nord die Wogen wild erhebt,
83
Sitz' ich an dem donnernden Gestade,
84
Schau' hinüber nach dem Felsengrate,
85
Oft von meiner Kinder Geist umschwebt!

86
Still einträchtig wandlen sie zusammen,
87
Bleich der Mond ihr dämmernd Bild enthüllt –
88
Nicht gering, o Cormar, ist mein Kummer,
89
Meine Kinder ruh'n im Todesschlummer
90
Und mit Schmerz ist meine Brust erfüllt!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Luise Büchner
(18211877)

* 12.06.1821 in Darmstadt, † 28.11.1877 in Darmstadt

weiblich, geb. Büchner

deutsche Frauenrechtlerin und Schriftstellerin

(Aus: Wikidata.org)

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