Schiller

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Luise Büchner: Schiller (1849)

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»das Höchste, was uns kann der Dichter geben,
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Das ist sein
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Vor denen, welche mit und nach ihm leben,
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Sei dieses würdig, ausgestellt zu sein;
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Zum reinsten Menschthum es empor zu heben,
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Es ganz zu läutern, sei sein Ziel allein –
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Denn höchste Gluth muß
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Der 's wagen will, die Göttlichen zu rühren!«

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So sprach der Dichter Schiller – und geblieben
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Ist nicht für ihn ein leerer Schall das Wort,
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Wo ihn das Innerste nicht angetrieben,
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Erklang von seiner Leier kein Accord.
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Nicht
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Die nicht entquoll der tiefsten Seele Hort –
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Was er auch schuf, voll sittlich reiner Klarheit,
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Der Abglanz nur ist's seiner

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Er, dem der Freiheit schönster Sang gelungen,
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War selber frei in innerster Natur;
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Nach einem edlen Weib nur hat gerungen
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Der deutschen Frauen erster Troubadour;
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Wie er der Freundschaft Ideal besungen,
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War er voll Treu' ein Freund, wie Wen'ge nur –
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So wissen kaum wir, wunderbar getrieben,
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Ob mehr der Dichter – mehr der Mensch zu lieben!

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Zum
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O, Jugend, die begeistert auf ihn lauscht!
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Damit nicht nur dein Ohr sein Wort entzücke,
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Sein Sang nicht nur die Phantasie berauscht;
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Sein ganzes Bild der vollen Seele drücke
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Dir ein, und sorg', daß nie die Zeit es tauscht,
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Lass' es in's Herz dir wachsen, in das weiche,
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Wie Heil'genbilder in den Stamm der Eiche!

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Denn auf des Lebens wild verworr'nen Wegen,
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Wo oft
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Ist's dem enttäuschten Herzen Himmelssegen,
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Wenn's noch durch Einen an die Menschheit glaubt,
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Wenn's noch
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Das nie der Täuschung kalte Hand ihm raubt:
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Denn zweifellos, im reinsten Schönheitslichte,
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Steht er auf ew'ge Zeit in der Geschichte.

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Und auf den
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Nie sprach er: Was der Genius thut ist recht!
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Nie wollt' er, daß die Welt ein mildrer Richter
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Ihm sei, als einem staubgebornen Knecht.
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Des Geistes Hoheit war ihm der Verpflichter,
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Auch groß zu
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Für sich verlangt der Genius, soll er zeigen,
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Daß er auch kann als Mensch den Göttern gleichen!

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Ihn trug das Leben nicht auf glatter Welle,
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Sein Tod erst war's, der Kampf und Noth gestillt,
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Doch keinen Fleck ließ es auf seiner Helle,
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Nein, wie sein Tell – o, unvergänglich Bild –
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Der Feinde Schiff geschleudert kühn und schnelle
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Mit starkem Fuß in Fluth und Brandung wild,
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So stieß er das Gemeine, das uns Alle
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Bedrohet, von sich ab zu nächt'gem Falle.

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Drum – wie wir auch die Dichter
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Die Unsren – heißer doch die Wange brennt,
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Das Herz fühlt sich zu höh'rem Schlag getrieben,
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Wenn man den Namen
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Und daß er sich so tief hat eingeschrieben
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In Aller Herzen – ist, weil Keiner kennt
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Ein Größ'res, als »des Genius hohe Sendung
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In Harmonie mit sittlicher Vollendung!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Luise Büchner
(18211877)

* 12.06.1821 in Darmstadt, † 28.11.1877 in Darmstadt

weiblich, geb. Büchner

deutsche Frauenrechtlerin und Schriftstellerin

(Aus: Wikidata.org)

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