Ich fleh' zu dir, o, lausche meinen Tönen

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Luise Büchner: Ich fleh' zu dir, o, lausche meinen Tönen Titel entspricht 1. Vers(1849)

1
Ich fleh' zu dir, o, lausche meinen Tönen,
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Die sanfte Luft zu deinem Ohre trägt,
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Lass' sagen meines Liedes heißes Sehnen,
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Was lange schon mein volles Herz bewegt.
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Du lauschst ja auch der Aeolsharfe Klingen,
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Wenn sanfter Wind durch ihre Saiten zieht,
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Und lächelst fröhlich bei der Lerche Singen –
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So lächle jetzt auch freundlich meinem Lied.
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Denn, um das Herz dir schmeichelnd zu erschließen,
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Hab' ich manch' süßen Ton hineingebannt,
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Und, die vom Himmel sich zur Erd' ergießen,
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Die Melodieen der Natur entwandt.
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Der Nachtigall lauscht' ich im dunklen Hain,
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Sog ihren vollsten Ton in's Herz hinein,
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Ich hörte, was bei'm sanften Sternenlicht
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Geheim die Lilie zu der Rose spricht.
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Ich lag im Wald am mos'gen Felsenhang,
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Aus dessen Brust ein Bächlein murmelnd sprang,
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Des Rieselns Sinn hab' ich ihm abgelauscht,
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Und wie's ihm Antwort durch die Zweige rauscht. –
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Sein Nachtgebet das letzte Vöglein sang,
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Zur Ruhe mahnt der Abendglocke Klang,
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Nur leise summt noch die Cikade dort,
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Die Glocke schweigt in zitterndem Accord,
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Ein Seufzer noch – dann hört mein Ohr mit Beben
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Des Tages letzten Laut in Nacht verschweben.
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Auf ging der Mond, und neue Melodie'n
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Begannen durch die stille Nacht zu zieh'n;
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Der Erd' entströmten süße Liebesklagen,
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Die milde Lüfte hoch gen Himmel tragen,
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D'raus leise tröstend Töne niederwallen,
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Wie droben sie von Engelsharfen schallen.
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Der Erde Leid, des Himmels sel'ge Lust –

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Und Blumensprach' und Nachtigallensang

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Und Bachesmurmeln, Abendglockenklang,
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Dies Alles ist in meinem Lied erklungen,
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Ich hab' dir's zitternd, bebend vorgesungen.

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Dein dunkles Auge eine Thräne füllt,
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Ein Seufzer deinen Lippen sanft entquillt,
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Mein flehend Lied, es hat dein Herz erweicht,
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Des Lebens höchstes Ziel, es ist erreicht!
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Da wollt' ich jubeln wie der Wasserfall,
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So sollte donnern meiner Töne Schall,
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Da wollt' ich jauchzen, wie die junge Welt,
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Wenn Sonnenkuß nach langer Nacht sie hellt.
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Hin ist die Kraft – mir blieb ein einz'ger Ton,
47
Wie betend Engelslippen er entfloh'n!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Luise Büchner
(18211877)

* 12.06.1821 in Darmstadt, † 28.11.1877 in Darmstadt

weiblich, geb. Büchner

deutsche Frauenrechtlerin und Schriftstellerin

(Aus: Wikidata.org)

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