Die Sonn' ist warm und still die See

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Percy Bysshe Shelley: Die Sonn' ist warm und still die See Titel entspricht 1. Vers(1818)

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Die Sonn' ist warm und still die See,
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Mit Lächeln blickt der Himmel drein,
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Der Inseln Blau, der Berge Schnee
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Umkränzt der goldne Abendschein.
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Der Hauch des Aethers, klar und rein,
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Umspielt sein träumend Rosenkind;
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In wunderbaren Melodein
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Erklingen Vogel, Meer und Wind –
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Der Lärm der Stadt sogar ist hier gedämpft und lind.

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In nie betretner Tiefe schau'
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Ich Moos und Flechten ausgespannt;
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Wie Sternenfluth der Wellen Blau
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Hinplätschert leis zum Uferrand.
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Ich sitz' allein am Meeressand;
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Der Fluth entblitzt wie leuchtend Erz
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Ein Funkeln, und im Abendbrand
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Entsteigt ein Klingen uferwärts –
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Wie süß, erbebte nur wie meins ein einzig Herz!

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Weh mir! ich hab' nicht Glück noch Ruh',
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Noch Frieden in des Herzens Nacht,
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Noch fiel mir jener Reichthum zu,
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Den Weisheit bringen und Bedacht,
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Gekrönt mit innrer Glorie Pracht.
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Nicht Ruhm noch Macht, nicht Lieb' und Heil –
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Ach, Andern hat das All' gelacht;
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Sie sprachen jedem Tag: »Verweil!« –
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Mir ward des Lebens Kelch in anderm Maaß zu Theil.

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Doch hier ist selbst Verzweiflung lind,
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Wie Abendrauschen, Meer und Fluß;
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Fortweinen wie ein müdes Kind
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Möcht' ich dies Leben voll Verdruß,
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Das ich ertrug und tragen muß,
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Bis mir der Tod den Schlummer bringt,
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Und in der Lüfte warmem Guß
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Mein Geist ins weite All verklingt,
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Und meinem Ohr das Meer sein letztes Murmeln singt.

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Wohl hör' ich zürnen, ich sei kalt,
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Daß ich gestört in dunklem Sinn
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Mit einem Herzen, trüb und alt,
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Auch dieser Stunde Hochgewinn.
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Zürnt immer! denn von Menschen bin
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Ich nicht geliebt und doch beklagt,
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Ungleich dem Tag, der, wenn dahin
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Sein Glanz, der prächtig uns getagt,
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Voll Licht und Freude ganz noch im Gedächtniß ragt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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