Ein Jüngling war, in dessen zartem Wesen

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Percy Bysshe Shelley: Ein Jüngling war, in dessen zartem Wesen Titel entspricht 1. Vers(1816)

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Ein Jüngling war, in dessen zartem Wesen,
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Wie Licht und Wind in einer duft'gen Wolke,
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Die vor des blauen Mittags Gluth zergeht,
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Der Genius sich mit dem Tode stritt.
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Niemand vermag die süße Lust zu ahnen,
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Die seinen Odem, gleich dem Zauberbann
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Der stillen Sommerluft, verstummen machte,
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Als er mit der Geliebten, welche damals
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Die Schrankenlosigkeit vereinten Seins
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Zuerst gekostet, durch ein Feld gewandelt,
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Das, gegen Ost von einem Hain beschattet,
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Dem Himmel gegen Westen offen lag.
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Dort war die Sonne jetzt hinabgesunken,
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Doch Streifen Golds umsäumten noch die Wolken,
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Der weiten Grasesebne Spitzen, und
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Des alten Löwenzahnes grauen Bart,
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Und lagen auf dem dichten, braunen Wald,
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Vereinigt mit des Zwielichts Dämmerschatten.
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Im Ost hob langsam sich des Vollmonds Scheibe
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Zwischen der Bäume Stämmen hell empor,
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Und droben schaarten sich die bleichen Sterne. –
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»ist es nicht seltsam, Isabella«, sprach
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Der Jüngling, »daß ich nie die Sonne sah?
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Wir wollen morgen wieder hieher wandeln,
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Dann sollst du sie mit mir einmal beschaun.«
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Der Jüngling und das Mädchen lagen Beide
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Vereint in Lieb' und Schlummer diese Nacht –
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Doch als der Morgen kam, da fand das Mädchen
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Den Freund, den heißgeliebten, todt und kalt.
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Glaubt nicht, daß Gott in seiner Gnade so
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Ihn heimgeführt. Das Mädchen starb nicht, ward
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Wahnsinnig nicht, – sie lebte lange Jahre.
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Zwar mein' ich, ihre Sanftmuth und Geduld,
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Ihr traurig Lächeln, und daß sie nicht starb,
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Nein, weiter lebt', um ihren greisen Vater
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Zu pflegen, waren eine Art von Wahnsinn,
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Wenn Wahnsinn anders sein heißt, als die Welt.
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Denn sie zu sehn nur, war, als ob man lese
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Ein Lied, das ein geweihter Dichter schuf,
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Das harte Herzen löst in linde Wehmuth.
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Von Thränen war die Wimper weggesengt,
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Und Lipp' und Wange wie der Tod so bleich,
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Die Hände mager, daß durch die Gelenke
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Und Adern schier des Tages röthlich Licht
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Durchschien. Das Grab von deinem todten Ich,
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Das Ein unsteter Geist bei Nacht und Tag
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Bewohnt, ist Alles, du verlornes Kind,
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Was noch von dir hienieden übrig blieb!

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»der du geerbt mehr, als die Erde beut:
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Ruh' ohne Leidenschaft und ew'ges Schweigen!
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Ob Todte finden, o, nicht Schlaf, doch Rast,
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Und schmerz- und klaglos sind, wie sie uns scheinen;
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Ob sie fortleben, ob ins tiefe Meer
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Der Liebe sinken: – o daß meine Grabschrift,
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Gleich deiner, ›Frieden‹ lautete!« Dies war
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Die einz'ge Klage, die sie je gesprochen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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