Gros wunder mus ich sagen fry

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Johann Fischart: Gros wunder mus ich sagen fry Titel entspricht 1. Vers(1568)

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Gros wunder mus ich sagen fry,
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Mit gunst zumelden von aim Bry,
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Der droben inn dem Schwizerland
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Noch dan gekocht on Wiber hand,
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Kostlich von Milach zugerüst
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Inns Elsas chon ist diser frist,
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Als zu Strasburg das Schiessen war.
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Het schir gesagt das Jubeljar,
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Darnach gesänt hat mäniglich,
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Auch jren vil vermessen sich,
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Wanns nur so lang das leben han,
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Das dis Schiessen möcht fangen an
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Vnd solch kurzweil beschähen all,
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Alsdan so wöllends inn dem fall
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Gar geren sterben. Ach der Narren,
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Die nichts gesächen noch erfaren,
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Vermeynen schlecht, die göucheri
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Der gröst Triumpf vf Erden sy,
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Vnd gaffens mit verwundern an,
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Hands Mul vnd Nasen offen stan!
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Doch meyn ich, das dus wüßtest, die
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Jr lebtag witer kamen nie
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Dan biß an Rin vnd Ruprechtsouw,
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Vnd wann jn nicht alsbald die Frouw
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Ein frisch Hembd hat geschickt hernoch,
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So hebt sich an ein grose schmoch.
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Ich glaub, du loser Balg, meynst fry,
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Das ich ein schlimmer Schuster sy,
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Wyl du mir nicht hast nochgesend
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Ein par söcklin vnd wyses Hemd.
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Hieneben will ich dis wenden lan
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Vnd minen Hirspry richten an.
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Die Schwizer kamen hrab den Rin
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Gefaren biß gen Strasburg yn.
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Zum schiessen fry dieselben Chnaben
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Den Pry so warm mit sich bracht haben
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Von Zürch herab wol virzig myl
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Vf schneller Post, Datum inn yl,
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Der ist inn einer hiz gebachen.
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Sind das nicht treflich selsam sachen?
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Hör wunder vber wunder zu:
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Ein Pry würd vs dem Land zu Mu
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So warm biß ghon Strasburg brocht,
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Wer hets sin lebtag je gedocht,
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Das ein Ku solt mehr schysen dan
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Ein Nachtigall. Nun witer dran.
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Ein vberscheyd sie machen lasen
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Von holz, den Hafen drin zufassen,
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Der war mit Kütreck wol beschmirt,
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Also nach Strasburg wurd geführt,
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Vnd brangen mit dem Hirsbry sehr,
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Gleichsam es köstlich Heiltum wer;
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Ward doch gekocht nicht wit vom See,
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Da find des Kütrecks man noch meh,
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Den man darunder hat gemengt,
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Alsdan dazu auch Milch gesprengt.
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Also von try gewychten sachen
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Thät man dis Hailtum machen;
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Vnd ward von Predigern consecrirt,
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Von aller sentenz approbirt.
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Als sie gehn Strasburg kamen an,
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Da war groß fräud bi jderman,
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Mit frolockung ein groß geschrey.
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Das jetz ankomen wer der Prey.
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Wie nun ein schön Oration
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Vom Pry gehalten vnd gethon,
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So habend sy jn presentiert
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Dem Ammeister, wie siechs gebürt.
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Doch weyß ich von dem Haffen nicht,
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Drumb gib ich deshalb keyn bericht,
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Glaub aber, das die Knaben
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Den Hafen vßgedinget haben,
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Dan er soll syn, wie ich vermerck,
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Ein stuck der siben Wunderwerck.
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Meynst nit, sie haben kunst getriben,
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Das der Pry so lang warm sy bliben
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Ein solchen ferren wäg vnd reyß?
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Doch schin die Sonn sehr warm vnd heiß,
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Das hat geholffen, das der Bry
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So fein Küwarm beliben sy.
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Wie werdents so manch ewig nacht
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On allen schlaf han zugebracht.
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Eh sie das wunderwerck erdacht.
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Alsbald der Pry genomen an,
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Ein grosser huf, Frauen vnd Man,
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Den Bry beleitet inn proceß
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Vfs Herren Stuben zum gefräß.
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Daselbst mit Reverentz so bald
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Würd er getheilt vß Jung vnd alt,
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Vf alle Tisch gerings herum,
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Damit es inn gedächtnuß kom,
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Vnd darvon ässen jederman
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Das beid, Frembd vnd Heimsch, allsamen
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Erkennen des Monarchen Namen,
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Der diß Schiessen het angfangen
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Vnd bei weß Regiment ergangen,
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Darnach man ghabt so groß verlangen.
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Was von dem Bry da vber bliben,
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Damit hat man groß wunder triben,
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Nämlich gar herlich Balsamirt,
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Vf das es lang werd reserviert
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Zur dächtnuß ewig diser sachen.
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Wer wolt der Narren doch nit lachen?
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Hand nun die Schwizer sollich schiessen
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Nit wol verehrt, so laßt michs wüssen
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Mit einem nagelneuen Bry?
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Mir nit, das ichs hieß melkery!
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Jetz merck die statlich gschenck vnd gaben.
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Damit verehrt sind dise Knaben:
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In ward ein Küflad höflich zwar
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Zum Schauässen getragen dar
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Inn jre Hütten oder Zelt
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Vf dem Schießrein inn freyem Feld.
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Ist das nicht grose leckery,
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Ein Küdreck tuschen vm ein Bry?
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Man solts jn zwar nit haben thon,
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Dan es was verbotten jederman
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Vf allen Zünften mit Mandieren,
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Man solt die Schweizer nit vexieren.
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Dabi will ichs nun bliben lan,
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Das Schiessen ongefazet han,
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Vnd inn die Sau ein stichschutz thun.
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Wer mit will stechen, schick sich nun!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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