Ihr, die gern seht was sonderlichs

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Johann Fischart: Ihr, die gern seht was sonderlichs Titel entspricht 1. Vers(1575)

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Ihr, die gern seht was sonderlichs,
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Nun secht mir hie was wunderlichs,
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Hie sitzt ein Esel vnd will richtn
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Inn jhm gar vnbekandten Gschichtn,
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(wie heut noch manche Esel pflegn,
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So vrtheiln, was sie nicht vermögn).
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Dasselbig hat sich zugetragn
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Auff weiß, wie ich euch nun will sagn:
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Ein zanck erhub sich auff ein mal
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Zwischen Guckgauch vnd Nachtigal,
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Wer das best gsang führt vnter jhnen,
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Weil mit einander sie beginnen
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Zugleich im Aprill jhr Gesang
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Vnd treibens übern May nicht lang.
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Der Guckgauch ward gar vnverschampt
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Vnd trotzt die Vögel Allesampt.
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Damit nun solch spänige sach
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Vnter Vögeln kein Auffruhr mach,
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Wardt gschlossen, den streit abzustelln,
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Daß man ein Richter solt erwehln,
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Aber doch auß den Vögeln keinen,
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Weil sie hierinn Partheysch scheinen,
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Sondern ein auß Vierfüssing Thiern,
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Der recht sprech, wem preiß solt gebürn.
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Nun trat her auß dem Wald vngfähr
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Ein Esel grobitetisch schwer,
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Fein fuß für fuß vnd gar bedachtsam,
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Daß er kein Fuß verrenckt, gmachsam.
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All Vögel sahen jhn drumb an:
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»secht, was Schultheiß trit hie auff dban,
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Es jst fürwar ein Erbarer Esel,
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Der seß gar fein im Richter Sessel,
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Dieweil er hat lang Ohren auch,
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Die wol verhören vnsern Gauch.«
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Sie schickten ein Gesandten hin,
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Den Retscher, der solt bitten jhn,
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Das sich sein Orithet bemühe,
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Zu vrtheilen disen streit Alhie.
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Als der Esel die werbung hört,
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Der sachen er sich nicht lang wehrt,
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Dann er sich hett albreit beredet,
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Das man die gschicksten nur erbetet,
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So man doch witz bey eim sucht gwönlich,
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Weil er eim witzigen sicht ähnlich,
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Darumb den Spruch man billich soll,
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Wer weiß, obs war ist, wissen wol,
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Obs Nemblich war ist, oder Narr ist,
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Weil dunckel machet, daß nichts klar ist.

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Nach dem nun Nachtigal vnd Gauch
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Heten eingwilligt nach rechts brauch
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In den Schiedrichter Herr Ragörlin,
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Da nam er für ein Richters gwehrlin,
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Ein grün Reiß, reuspert sich drauff bald,
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Daß das Giga in Wald erschalt;
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Er setzet sich vnd spitzt sein öhrlin,
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Wie dMeydlin, wenn man sagt ein Märlin,
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Vnd sach stracks zu dem walt dorthin,
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Alda die Kempffer fassen kün.
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In deß fieng an die Nachtigal
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Zu gällen jhrn zwitzrenden schall,
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Das der Esel sich drob vergaß
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Vnd nicht wust, wie vnd was es was.
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Darauff der Guckgauch auch herrucket,
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Rufft dem Richter, der auff jn gucket,
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Gugkuck, Gugkuck, giga gikuck:
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Es laut als der Tantz auff der Kruck.
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Meim Herr Esel Ohren richter
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Gefiel so wol der Guckguck tichter,
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Das vor verwunderung jhm gleich
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Auß dem Trappen der stab entweich
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Vnd thet das vrtheil gleich drauff sprechen,
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Daß nach sein Ohrn es zu rechen,
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So geb dem Guckgauch er das Lob,
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Weil ers macht so verstendlich grob,
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Daß solchs all Esels Ohrn merckn,
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Dörffn nit drob viel kopffs zerwerckn
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Vnd sein gsangsweiß errathen lang,
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Weil er selbst rufft sein Nam vnd gsang.
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Aber die Nachtigal darnebn
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Führ so ein seltzam verwirts lebn,
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Verkälerirts, verzuckts, zerhackts,
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Verketzerts, verzwickts vnd verzwackts,
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Koterts vnd kauets in der Käln,
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Das man kein Silb jr nach kan zehln.
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Drumb gab der Gauch weiß er den preiß,
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Die reim sich zu seinr giga weiß,
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Aber der Nachtigallen gellen
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Wöll nicht in seinen Ohren stellen.
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Hierauff so brach er seinen Stab,
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Als ob ers wol verrichtet hab.
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Da nun das vrtheil gsprochen ward,
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Vertroß es alle Vögel hart,
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Daß einer von so langen Ohrn,
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Vnd darzu von so grawen Harn,
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Nicht besser solt vrtheiln können,
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Dann wie vom gschmack ein sau vol pfinnen.
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Verjagten drumb den Gauch von jhnen,
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Ders Recht durchs Esel recht wolt gwinnen,
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Vnd gaben jrer Nachtigall
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Den Rath, daß sie flucks in dem fall
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Solt zu den Menschen Appelliern,
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Der werds ohn zweiffel baß erspürn,
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Weil er sein sinn nicht laß Regiern,
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Sondern vernunfft die sinn laß führn.
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Sejther, zu folgen diesem Rath,
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Die Nachtigal kein ruh nicht hat;
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Wann sie ein Menschen nur erblickt,
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Daß sie zum singen sich gleich schickt,
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Vnd singt daher mit allem fleiß,
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Zuklagen jm durch kläglich weiß
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Das vrtheil deß wald Esels grob,
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Der jr abgsprochen hat Lob,
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Vnd einem Guckgauch zugesprochn,
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Auß vnvernunfft nur Abgestochn.
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Ja auch, daß sie vmb solchen Hohn
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Sich etwas rechen mög zu lohn,
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Ist gantzem Nachtigallen gschlecht
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Erlaubt vom Jove für gantz Recht,
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Das es dem Esels gschlecht mög schadn,
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Wann es mit gschweren ist beladn,
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Es beissen auff den gschwollnen Ruckn,
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Das es der Sattel bas mög truckn.
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Ey daß all Nachtigal verächter
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Han müsten noch erger durchächter,
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Wie Marsias, den Phoebus schundt,
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Da er sich grössers vnterwundt
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Vnd mit jm dorfft ein Kampff eingehn,
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Darinn er doch nicht mocht bestehn.
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Ey das all solche Guckgauchpreyser
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Würden zuschanden oder weiser,
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Weil sie sich über Eyer wagn,
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Die sie nicht wissen, was sie tragn.
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Wer sind aber ohn G. die GEselln,
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Die solch wald Eßlisch vrtheil felln?
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Das sind die, so sich düncken klug
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Vnd vrtheiln alles auch ohn fug,
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Wöllen erkennen über sachn,
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Die sie nicht können noch betrachtn,
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Die vrtheiln, ehe sie ejn Ding lesn,
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Vnd doch daß vrtheil jn zumessn,
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Die viel richten vnd nichts verrichtn,
142
Vnd wölln als schlichtn durchs vernichtn
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Ja da es geht, wie der Weiß spricht:
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Weißheit wird von jrn Kindern gricht.

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Darumb, O liebe Nachtigal,
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Es hat dir gfält in disem fall
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Daß Appellirest zu den Leutn,
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Weil auch bey jnen seind zu zeitn
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Zweybejnig Esel, die dein gsang
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Achten minder denn Schellen klang,
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Vnd über Glehrte wolln sprechn
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Vnd über jedes den Stab brechn,
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Die so nichts können dann gigagen,
154
Wöllen vom gsang schön vrtheil sagen,
155
Doch muß die Nachtigal verliern,
156
Weil Eselsköpff richten von jrn,
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Da, die in Künsten sind die minsten,
158
Sind im vrtheilen gar die küensten,
159
Die ohn verstand von sachen sprechn,
160
So weit sie auß fünff sinnen rechn,
161
So doch, wie hie gemahlet stet,
162
Die wahr vernunfft für alle geht,
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Die stet in mitten der fünff Sinnen,
164
Die sie beherrscht als Königinnen,
165
Durchs Scepter der Fürsichtigkeit
166
Vnd also jr vngwißheit leit.
167
Sie ist das Liecht, welchs die sinn schlicht,
168
Das kein ohn sie nicht dunckel richt;
169
Sie tregts Buch der erfahrenheit,
170
Die sie vom lesen jhr bereit,
171
Damit scherpfft sie jr Ration,
172
Daß sie nicht vrtheilt nach dem wohn,
173
Sonder nach grund vnd der kunst klarheit;
174
Draus entsteht weißheit vnd warheit.
175
Derhalben kompt her, all jr Leut,
176
Weil jr doch all wölt richten heut,
177
Sitzt neben dem Richtr Esel her,
178
Secht, wie Richten wol nicht ist schwer,
179
Aber es treffen, da ligt es,
180
Da fehlt offt grob das Eselmeß.
181
Auff das jrs aber Recht möcht treffn,
182
So last klug dünckel euch nicht äffn,
183
Dann eygen lieb vnd sich klug stelln
184
Vnd verstendigre nicht hören wölln,
185
Diß macht die Welt heut so verwirt,
186
Das man kaum kennt Schaf oder Hirt.
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Wolan, Gott geb dem Esel die Beuln,
188
Das übr sein verstand will vrtheiln,
189
Vnd der Nachtigal ein scharpffn Schnabl,
190
Der dem Esel plag mehr denn die gabl.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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