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Es fragen allzeit die Papisten,
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Wo da waren die ware Christen,
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Vor drey oder vier hundert jahren,
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Da allsampt vnterm Papstumb waren,
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So frag ich sie hinwiderumb,
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Wo war Gotts Volck vnd Heyligthumb,
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Da Elias sich klaget sehr,
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Wie er allein sey, der Gott ehr?
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Was ward aber für Antwort jhm?
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Sagt nicht zu jhm deß Herren Stimm:
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Es sind noch sieben tausent plieben,
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Die nicht den Gottsdienst Baal trieben.
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Wiewol sie nicht Elias kandt,
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Kandt Gott die seinen doch im Landt.
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Wa war die Kirch zu Noe zeiten,
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Da Acht waren, sie anzudeuten?
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Wa war sie, da Esaias klagt,
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Gotts Statt sey worden ein gmein Magd
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Vnd hab von Füssen biß zum Haupt
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Nichts gantzes noch gsund, welchs recht glaubt?
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Ja wa wars, da Christus dorfft sagen
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Zun Phariseern inn sein Tagen,
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Daß sie machten ein Mördersgruben
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Auß Gottes Haus als Mördersbuben?
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War sie beym grösten Hauff vorhanden,
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Den Priestern, so die Kirch sich nanten
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Vnd hatten äusserlichen Schein,
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Daß sie dieselb auch solte sein?
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Nein warlich, sie war nicht beym Pracht,
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Sondern versteckt vnd vngeacht;
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Sie stack beym kleinsten Hauffen zwar,
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Der von der falschen Kirch lidt Gfahr:
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Welche, da jre Hirten irrten,
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Sich hielten an den waren Hirten,
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Christum, sein Stimm vnd wort allein,
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Einfältig als die Schäfflin rein.
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Also hat allzeit Gott gehabt
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Erwölte, mit seim Geyst begabt,
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Die nicht inn Irrthumb verführt worden,
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Vnd kandten den falsch Baalsorden,
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Den Esel in der Löwenhaut,
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Den Wolff im Schaffskleidt, die falsch Braut.
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Wie sehr die Wölff herumbher zogen,
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Mit List vnd Gwalt sehr viel betrogen,
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Warn Gott sein Schäflin doch bekandt,
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Vnd riß jhms niemandt auß der Hand.
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Drumb sollen vns die Kirchenrühmer
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Mit jhrer Frag nun klämmen nimmer,
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Dann weil sie nach warn Christen fragen,
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Ist klar, daß sie den Nam nicht tragen;
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Vnd weil jhr Kirch steht auff dem Schein,
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Muß sie die Phariseisch sein,
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Fürnemblich da sie ab ist gwichen
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Von Gottes klaren Wort vnd Sprüchen.
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Vnd zu bewärung deß hieoben,
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Daß Gott pflegt etlich zubegoben,
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Den nicht der Grewel gfallt im Tempel,
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So seh man hie diß schlecht Exempel
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Von den Bildhawern, die diß haben
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Zu Straßburg ghawen vnd erhaben
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Im Münster vor dreyhundert Jahren,
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Da im schwang Römisch mißbräuch waren.
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Dann da die Priester worden Stöck,
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Mußten die Stein eh Reden Keck:
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Vnd weil das Römisch Priesterthumb
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Gern gieng mit Puppen Bildern vmb,
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Han die Künstler, die diß angaben,
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Ihnen zum Spiegel diß gegraben;
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Wie etwann, als Agrippa meldt,
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Die Maler auch han fürgestelt
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Den Teuffel, der Christum versucht,
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Inn einer Münchskutt, halb beschucht.
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Vnd wiewol ich eim jeden laß
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Sein vrtheil, was bedeute das,
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So muß ich doch nur etwas rühren,
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Was sich hiezu nun mag gebühren.
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Man trägt alhie für Heyligthumb
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Ein schlaffend Fuchs, deut Heuchelthumb:
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Die Heuchler stellen sich wie Schaf,
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Vnd lauren wie ein Fuchs im Schlaf.
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Allweil der Fuchs sich schlaffend stelt,
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Hielt jhn für Gänßfrom die gantz Welt,
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Vnd fraß die Gänß doch stäts gantz hel,
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Wie das Opffer die Pfaffen Bel,
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Aber da man ihn heut erweckt,
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Da wird sein Fuchslist klar entdeckt,
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Vnd will nun nicht mehr scheinen schlaffend,
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Sondern mit Gwalt als befügt straffend.
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Das ist zu Rom der Hellisch Fuchs,
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Aller Füchs Vatter, der Welt Crux,
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Der durch sein Ränck so hoch kam an,
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Daß jhn anbettet jederman,
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Vnd jhn für Heyligthumb vmbtrug,
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Weil er den Schwantz durchs Maul jhn zug,
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Vnd konnt in seiner Fuchsgrub Träumen
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Gesetz, die sich zum Schein fein reimen.
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Heut, da man seine Füchs thut kennen,
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Vnd will den Fuchs auß der Hell brennen,
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Da wüt er vnd wehrt sich zu letz
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Wie ein Wild, das schon steckt im Netz.
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Nun diß Römisch Fuchs Heuchelthumb
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Tragen zween sauber Gsellen vmb,
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Ein wüst Saw vnd ein stinckend Bock,
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Ist jmmer schad vmb den Chorrock.
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Die Saw zeigt an die Epicurer,
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Die Pfründsäw, Mastschwein, Bauchknecht, Hurer,
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Wie gmeinlich ist der Pfaffenherd,
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Die dises Heyligthumbs sich nehrt.
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Hinter demselben Schwein jhr finden
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Die vnverschämpt Besti, die Hündin,
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Welche dem Schwein greifft vntern Schwantz,
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Für solche Braut ein rechter Krantz
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Das deut die Pfaffen krawerin,
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Eheschänder vnd Leibkellerin,
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Die jhnen helfen jhr liebs Pfündlin
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Durchschwenden mit den Bankartshündlin.
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Der Bock deut die hoch Geistlichkeit
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Mit der stinckenden Fleischlichkeit,
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In jhren zweyhörnigen Hüten,
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Die wie stoltz Böck in der Herd wüten,
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Vnd alles vmb sich her erstänken,
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Vnd die Kirch zum Bockstall erdenken.
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Der Bär tregt den Weyhkessel vor,
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Vnd ainen Sprengwadel empor,
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Welchs deut den Grimm vnd Bärentratz,
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Dadurch man schirmt die Menschen Gsatz,
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Vnd besprenget die Leut mit Blut,
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Wann man nicht jhren Willen thut.
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Noch ist der Fuchs nicht gnügt am Bären,
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Sonder, sich baß noch zuerwehren,
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Muß jhm der Wolff das Creutz vortragen,
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Weil er die Schaff kan dapffer jagen,
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Vnd wann sie vnters Creutz nicht wöllen,
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Sie dazu Creutzigen vnd Quelen.
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Sonst deuts, daß, die sollen predigen
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Den Creutzigten, sindt Wolff, die schädigen,
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Schonen der Herd nicht vnd verirrten,
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Welche sie hielten für war Hirten,
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Werden dabey gantz vnersättlich,
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Je mehr S. Peters Erb wächst weydlich.
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Folgends, so tregt der Haß die Kertzen,
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Welchs deuten soll die liechte Hertzen.
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Aber was hilffts Liechts Hertz die Hasen,
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Wann sies auß Forcht nicht scheinen lassen?
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Also ists mit den Glehrten gstanden,
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Die wol das Liecht etwas erkanten,
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Aber auß blödem Hasen hertzen
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Liessen die Finsternus sie herrschen.
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Noch ist kein Bild, das besser trifft,
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Welchs man gleich kennt ohn dise Schrifft,
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Als der Meß Esel mit seim Kelch,
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Der von den Todten hat Befelch,
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Daß er sie auß dem Fegfewr murmel
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Vnd vor dem Altar vmbher turmel,
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Welchs, weil es für ein Hirtz viel achten,
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Wollen wir es hernach betrachten.
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Sonst zwar sindt solche Opfferknecht
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Vnkunst halb wol grob Esel recht,
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Nicht allein weil sie jhr Meßstrudeln
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Selbst nicht verstehn, was sie da hudeln,
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Sonder auch, weil sie nicht verstehn,
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Was für ein Grewel sie begehn,
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In dem sie den wölln opffern stät,
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Der einmal sich auffopffern thet
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Für die Sünd, vnd darzu den Layen
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Stelen deß Herren Kelch ohn schewen;
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Vnd wissen die Palm Esel nicht,
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Daß jhn der Kelch reicht zum Gericht,
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Weil sie jhn anderswo zu üben,
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Als Christus jhn hat fürgeschrieben,
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Vnd drumb der Hurenkelch drauß würd,
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Welcher dem Antichrist gebürt,
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Damit er die Leut zaubern kan,
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Sonst die es für ein Hirtz ansehen,
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Der Meynung ist auch nicht zuschmehen,
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Dann jhm abbrochen ist das Ghürn,
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Welchs sonst dem Hirtzen sterkt das Hirn
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Vnd wider das Gifft jhn verwart.
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Diß deut, daß die Meßbrüller Art
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Kein Hirn noch Witz hat vnterm Lesen,
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Vnd alls vergifften mit den Messen;
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Sind doch gantz stoltze Hirtz darbey,
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Vnd brünstig zu all Lastern frey.
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Wem darff man demnach erst außlegen
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Den Esel mit seim Buch zugegen?
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Dieweil je keiner nicht vermeint,
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Daß man hie die Chor Esel meint,
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Welche das Predigampt hand gmacht
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Zu eim Geheul bey Tag vnd Nacht.
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Disem schönen Epistel Esel
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Dient ein Katz für ein Pultbrett Sessel,
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Welchs deut die schleckhafft Klosterkatzen,
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Die Käßjäger, die heuchlisch Fratzen,
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Die fornen lecken, hinden kratzen,
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Vnd durch den Bettel die Leut schatzen,
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Auch sich haben gantz vnverschampt
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Eindrungen in das Predigampt,
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Verführen durch süß Wort vnd Schwetzen
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Vnschuldig Hertzen zu jhrn Gesetzen,
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Treiben von Keuscheit viel Geschnatter,
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Vnd rammeln doch wie Mertzenkatter.
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Hiemit sey gnugsam angedeut,
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Was gegenwertig Gmähl bedeut,
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Darauß man sicht, wie Gott mit trewen
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Etlich erleucht, wie gring sie seyen,
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Vnd das sein Kirch nie außlescht gar,
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Ob sie schon lang nicht scheint vor Gfahr.
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Auch soll es hie befrembden kein,
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Die falsch Kirch durch Thier angbild sein,
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Weil nach S. Johannis Verstandt
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Ihr höchst Haupt wird ein Besti gnandt,
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Welche gleich wie Meduse Haupt
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Die Leut hat aller Sinn beraubt.
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Aber Gotts Lämlin wird diß Thier
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Mit seinen Schuppen stürtzen schier.
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Darumb folgt dem, so David bitt,
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Vnd seyt wie Roß vnd Mäuler nit,
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Welche nimmer han kein verstand,
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Vnd werden gzäumpt mit Gbiß vnd Band,
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Auff daß jhr nicht in Pful gstürtzt werd
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Mit dem Thier zu sampt seiner Herd,
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Dafür vns Gott wöll stäts bewaren
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Vnd samblen zu seins Lämblins scharen.