Dis ist ain wunderlicher streit

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Johann Fischart: Dis ist ain wunderlicher streit Titel entspricht 1. Vers(1568)

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Dis ist ain wunderlicher streit,
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Der jrr gemachet hat vil Leut,
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Vnd ist aim also im gesicht
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Vorkommen, wie es hie geschicht.
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Vnd wiwol er vor Jaren etlich
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Ward beschriben nach der läng sehr deitlich,
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Auch männiglich wol angenem,
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Doch weil die kürze ist bequem,
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Will ich einzihen diselb läng,
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Wiwols kaum leid die Klostermeng.
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Vnd erstlich, ist demselben Man
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Sanct Löw, Francisci gros Caplan,
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Erschinen vnd hat gfüret jn
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Auf ainen hohen Lättner hin,
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Im Sanct Franciscum dort gewisen,
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Wie er so scheuzlich würd zerrissen
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Von seinen aignen Ordens-Leuten,
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Die hin vnd her sein Regul deiten,
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Demnach im auch erklärt dabei,
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Was jde Person thu vnd sei,
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Nämlich, das die Nonn, die da steht,
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So mit Francisci Hand vmbgeht,
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Vnd jm wolt gern die Wund verstreichen,
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Auf das Ir pliben die Wundzaichen,
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Ist von Senis Sant Katharein,
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So soll ains Ferwers Tochter sein,
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Die sagt, das, da sie war verzuckt,
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Hab jr Maria eingetruckt
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Fünf Wundmal, die sie selbs vileicht
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Jr malt, auf das jr der Franz weicht.
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Diser gleich beigefallen sind
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All Prediger-Mönch, das schwarz Gesind,
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Die han Franciscum gar veracht
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Vnd darfür jr Kätt gros gemacht.
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Als aber die schir war verschwunden,
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Ain Schneiderknecht zu Bern sie funden,
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Dem sie fünf Wunden auch einetzten
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Vnd jn vber Franciscum sezten.
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Drumb sticht der Schneider hie dem Franzen
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Das Herz ab mit der Schneider Lanzen,
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Vnd schneid ab mit der Schär die Hand,
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Das er damit sein Wund verquannt.
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Folgents, der Bartecht, der dort steht,
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Dem das Hemd aus den Hosen geht,
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Vnd sein Patron am Backen zerrt,
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Als ob er Haar von jm begert,
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Ist aus der Chiaciner Sect,
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Die gern warm inn den Hosen steckt,
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Auch inn dem Mantel vnd im Hemd,
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Vnd welchs der Regul ist gar fremd,
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So haben sie auch ainen Bart
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Vnd lind Schuh, dan die Mönch sint zart.
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Nachgehends kompt ain Capuciner,
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Der rümt sich auch Francisci Diner,
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Vnd trennt sich vmb die Gugel doch,
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Die mus jm sein vor andern hoch.
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Der aber holt das Bettbuch do,
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Nännt sich vom Evangelio,
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Weil sie sein Regul an Corden tragen,
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Welchs sie das Evangelium sein sagen.
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Der hie das Crucifix erwischt,
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Vom Orden
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Die tragen das kreuz an der Kutten,
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Vnd schlagen sich oft, das sie pluten.
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Seh, wie sich sperrt ain anderer Orden,
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Welcher benant ist von der Pforten,
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Von
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Der will den Ablasprif allain,
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Welchen, wie die Mönch han erdacht,
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Maria hat Francisco bracht,
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Darinnen Ablas ist versprochen
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Allen, die durch jr Kirchthor krochen.
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Deren, die an der Kutten reissen,
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Will der ain, ain Amadeer haissen,
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Sonst gnant Brüder von Gotes Lib,
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Die ich gern mit dem D. beschrib.
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Der ander nennt sich ain Pauliner,
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Ja wol Fauliner, Maule-diner;
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Der ain will Eselfarb han die Kutt,
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Den andern Spatzengraw dunkt gut;
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Der Esel will die Kutt han eng,
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Die Spaz ganz weit von guter läng.
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Der ain will, die Cord soll jm sein
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Nach des Franzen ganz weis zum schein,
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Aber der ander Kuttenlapp
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Will, Franz het ain Sail wie die Kapp.
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Ist das mir nicht ain ernster streit?
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Sint Klosterwäscherin kain fromm Leut?
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Auch kompt S. Clar aus jrem Kloster,
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Greift zwischen dem Bain zum Paternoster;
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Die hat gstift sonder Bettels-glider,
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Die man haißt die Klarinerbrüder,
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Die schämen sich Francisci Namen,
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Tragen doch Eselgraw allsammen.
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Die aber gschürzt hie nackend knien,
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Am rechten Fus Franciscum zihen,
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Da ist der ain von Neuer Sect,
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Die vor sechzig Jarn ward geheckt
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Vom Minoriter zu Paris,
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Die sich die Repentinisch his,
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Von Penitenz, die sie beweisen
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Mit Gaiseln, damit sie sich schmeissen.
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Der ander haißt von Observanz
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Sonst Plochler, hält die Regul ganz,
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Weil er ist ain Holzschuhen Reuter,
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Ißt nichts gekochts on Ops vnd Kräuter.
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Gleichs thut auch diser Bettel-kund,
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Der Bosiainer, mit seim fund,
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Der maint, sonst niman komm zum Hail,
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Er trag dan, wie er, Schuh von Sail.
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Nachher, der vmbzicht mit dem Bäsen,
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Den Staub ganz fleisig aufzuläsen,
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Ist von dem Orden
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Die Minsten sind sie dort vnd hi;
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Sie tragen von Francisco vmb
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Vil Kat vnd Erd, falsch Hailigtumb.
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Noch ist ain lust zusehen dort
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Die zwen Schuhfechter auf aim Ort,
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Dis sind
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Die man sonst nennt die Minderer-Brüder,
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Die wöllen sein gringer vnd minder
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Dan
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Dise haben wol ainen Namen,
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Vnd stimmen doch noch nicht zusammen,
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Dan sie drumb zanken vnd sich schlagen,
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Was für Schuh Franz hab angetragen:
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Dem ainen der Holzschuh gefallt,
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Der ander es mit Leder halt.
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Der mit der Geltpüchs darvon trott,
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Der ist aus der Collecter Rott,
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Die Gelt samblen zu Klösterbauen,
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So doch Franz kain Gelt an wolt schauen.
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Item, dort tragen zwen das Bruch,
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Den Bettelsack vnds Hosentuch;
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Der ain ist vom Frölichen Orden,
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Welcher
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Der ander ist von Augustinis,
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Ist baider Regul vngewis.
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Die Strümpf sie an den zähen stümmeln
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Damit die faule Füs nicht schimmeln,
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Vnd schneiden oben noch darzu
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Trei Schornstainlöcher inn die Schuh.
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Noch zihen zwen Knöpf dort di Corden:
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Der ain ist Reformater Orden,
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Der ander ain Conventual,
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Die zanken vmb den strick zumal:
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Der ain will zwölf knöpf an seim Sail,
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Der ander vngrad für sein thail.
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Aber, Holla, wa wolt jr lasen
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Braudern Nas mit der Naschigen Nasen,
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Der auf aim Gaisbock her postirt,
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Damit die Spatzenzunft er zirt,
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Vnd ausbrächt dise haimlichkait
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Von seiner Mönchischen ainigkait?
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(dan jm zu lib, dem Predigspatzen,
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Mußt man den Spatzenhaz fürkratzen,
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Vnd wann man merkt, das er jm gfallt,
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Den Schwalwenkrig man jm noch bhallt.)
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Er hat dannoch Francisci Bruch
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Vmbsonst nicht gschüzt, dan auf seim Buch
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Seinen angstschwais er davon trägt,
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Welchs doch dem hinter jm nicht schmäckt,
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Dem Alexander von Ales,
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Der oft den Mönchswust angreift räs.
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Die Päbst, so kaufmansballen suchen,
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Sind auch aus Franzen Bettelkuchen,
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Aber nach dem sie Päpst sint worden,
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Han sie verschmächt den Bettelorden,
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Vnd nichts vom Franzen bhalten mehr
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Als Reichtumb, kaufmanschaz vnd ehr,
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Welches doch Sant Franz vbergab,
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Da er den Kaufmansstand legt ab.
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Drumb lasen sie dort ligen strack
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Das härin Hemd vnd Bettelsack,
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Vnd lehren dispensiren drumb
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Des Franzen Evangelium.
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Inn dem der Mönch dis obgesezt
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Mit dem Man auf dem Lättner schwezt,
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Ruft ainer lachend vber laut:
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»sih, ligstu hie, du schöne Braut!
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Thun dir das deine Rottgesellen,
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So sei jr Abt der inn der Höllen.«
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Von diser Prediger-stimm vnd lachen
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Thät aus dem Schlaf der Man erwachen,
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Welchem vorkommen war dis gsicht,
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Wiwol er gern het gfragt bericht
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Den Mönch, wer das gschrai doch macht,
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Jdoch er bei jm selbs eracht,
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Das Dominicus, der Predigschwalw,
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Seie dis schreiend Merzenkalw,
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Dan Prödiger-Mönch, die Schwalwenprüder,
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Sint Barfüsern, den Spatzen, zuwider.
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Dis ist die Summ vom Kuttenstreit,
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Wer aber solchs begeret weit,
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Der finds auch nach der läng im truck,
196
Vnd ain ganz Büchlin von dem stuck.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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