An den Erzherzog Karl

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Heinrich von Kleist: An den Erzherzog Karl (1809)

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Schauerlich ins Rad des Weltgeschickes
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Greifst du am Entscheidungstage ein,
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Und dein Volk lauscht, angsterfüllten Blickes,
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Welch ein Los ihm wird gefallen sein.

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Aber leicht, o Herr, gleich deinem Leben
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Wage du das heilge Vaterland!
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Sein Panier wirf, wenn die Scharen beben,
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In der Feinde dichtsten Lanzenstand.

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Nicht der Sieg ists, den der Deutsche fodert,
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Hülflos, wie er schon am Abgrund steht;
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Wenn der Kampf nur, fackelgleich, entlodert,
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Wert der Leiche, die zu Grabe geht.

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Mag er dann in finstre Nacht auch sinken,
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Von dem Gipfel, halb bereits erklimmt;
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Herr! Die Träne wird noch Dank dir blinken,
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Wenn dein Schwert dafür nur Rache nimmt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich von Kleist
(17771811)

* 18.10.1777 in Frankfurt (Oder), † 21.11.1811 in Kleiner Wannsee

männlich, geb. von Kleist

Suizid | Schusswunde

deutscher Dramatiker, Erzähler, Lyriker und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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