Wieder leuchten die Kuppeln, beschienen von wärmerem Strahle

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Ferdinand von Saar: Wieder leuchten die Kuppeln, beschienen von wärmerem Strahle Titel entspricht 1. Vers(1869)

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Wieder leuchten die Kuppeln, beschienen von wärmerem Strahle,
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Und in mildestem Blau breitet der Himmel sich aus.
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Sonnige Lüfte umkosen das Antlitz der wandelnden Menschen,
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Frühlingshütchen zur Schau tragen die Schönen bereits.
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Duftende Veilchen verkauft man und zarte, goldige Primeln,
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Mit verlangendem Griff strecken die Hände sich aus.
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Woche vor Ostern, du stillste des Jahres, wie bist du belebt doch!
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Kirchen- und Gräberbesuch füllen die Straßen der Stadt.
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Fernher drängt sich die Schaulust zum Auferstehungsgepränge:
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Fahnen, Posaunen, Gesang, funkelnder Priesterornat. –
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Ich doch wandle hinaus in's Freie und suche die Pfade,
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Die zum Kahlengebirg führen allmälig hinan.
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Weiter und weiter erschließt sich im Kreise die liebliche Landschaft;
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Dort schon schimmert der Strom, schimmern die knospenden Au'n.
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Tiefes Schweigen ringsum; nur von noch scholligen Feldern
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Schwingt sich mit Jubelgesang einsam die Lerche empor.
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Blühende Bäume umfrieden vereinzelte stille Gehöfte,
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Und in bräutlichem Schmuck stehen die Büsche am Rain.
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Endlich ist sie erreicht die Fernen eröffnende Stelle,
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Wo ich als Knabe bereits schwelgenden Auges geweilt.
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Dort eine Bank auch – vielleicht noch dieselbe! Nun ruh' ich im Anblick.
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Hehr aufschauert in mir wonniges Heimatgefühl.
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Ja, da bin ich im Herzen der alten, der herrlichen Ostmark,
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Deren Banner einst stolz flatterte über dem Reich –
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Ueber dem Reich, von dem sie getrennt nun, beinahe ein Fremdling:
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Oestreichs Söhne, man zählt kaum zu den Deutschen sie mehr.
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Aber nicht deshalb neig' ich die Stirn jetzt in bangender Trauer,
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Weil du, mein Vaterland, ganz auf dich selber gestellt.
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Proben kannst du die eigenste Kraft, die Kraft des Gerechten –
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Und es sinkt und es steigt ewig die Woge der Zeit.
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Aber o Schmerz! Du bist auch getrennt von den eigenen Gliedern,
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In Verblendung, mit Haß wüthen sie gegen das Haupt.
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Doch du
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Uralt mächtiges Lied rauscht ihm die Donau hinan.
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Und so wirst du besteh'n, was auch die Zukunft dir bringe –
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Dir und der heimischen Flur, die dich umgrünt und umblüht.
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Sieh, es dämmert der Abend, doch morgen flammt wieder das Frühroth –
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Und bei fernem Geläut' segnet dich jetzt dein Poet.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ferdinand von Saar
(18331906)

* 30.09.1833 in Wien, † 24.07.1906 in Döbling

männlich

Suizid | Schusswunde

österreichischer Schriftsteller, Dramatiker und Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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