Oft auch, wenn mit röthlichem Schimmer der Abend hereinbricht

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Ferdinand von Saar: Oft auch, wenn mit röthlichem Schimmer der Abend hereinbricht Titel entspricht 1. Vers(1869)

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Oft auch, wenn mit röthlichem Schimmer der Abend hereinbricht
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Und aufathmet die Stadt, wandl' ich betrachtend umher;
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Wandle nach rechts hin, oder nach links hin durch jene Bezirke,
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Die sich im Laufe der Zeit, wachsend zum Ganzen vereint.
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Sieh, da sind sie ja noch, die Vorstadtstraßen, die alten,
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Die jetzt mit schwellender Fracht klingelnd die Trambahn befährt.
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Freilich prunken auch sie schon mit neuem und neuestem Wesen,
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Aber ich spüre den Hauch früherer Tage darin.
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Frohsinn herrscht hier noch, es waltet der Segen der Arbeit,
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Die den Genuß nicht verwehrt, weil man sie reichlich belohnt.
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Satte Gesichter ringsum, beleibte Männer und Frauen,
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Rosige Mädchen und hold blühendes Kindergeschlecht.
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Doch je weiter ich schreite, je mehr verwirrt sich der Anblick;
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Menschen in steigender Zahl, aber auch wüster das Bild.
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Wimmelnd bevölkert sind Gassen und Häuser, aus zahllosen Fenstern
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Blicken die Sorgen und Müh'n ärmlichen Lebens hervor.
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Hier, in billigster Miethe, wohnt eng der kleine Beamte,
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Haust bescheidene Kunst, emsig bei Tag und bei Nacht;
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Hier erwirbt auch die Frau, es erwirbt die älteste Tochter,
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Ob sie die Feder bereits, oder die Nadel noch führt.
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Kleine Fabriken gewahrt man, das kleine und kleinste Gewerbe,
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Das verdrossen und stumpf lebt von der Hand in den Mund.
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Aber der Krämer gedeiht, es gedeiht der schmunzelnde Gastwirth,
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Dem das Gartenlokal immer des Abends gefüllt. –
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Doch schon weist sich die Noth im härtesten Kampf um ein Dasein,
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Das, des Athmens nicht werth, dennoch Befriedigung heischt.
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Sieh nur die Häuser! Neubauten mit rissigen, bröckelnden Simsen;
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In noch feuchtem Gelaß richtet das Elend sich ein.
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Nieder schlägt sich der Rauch aus ragenden Schloten der Arbeit,
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Welche Maschinen zunächst, aber auch Hände verlangt.
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Düster färbt sie den Himmel, die Mauern, die Menschen und treibt sie
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Zu ingrimmigem Haß, weil sie verzehrt, nicht ernährt.
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Blick' in die Buden und Schenken! Bestäubte, verdorbene Waaren,
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Die der Hunger verschlingt, wenn er zu zahlen vermag;
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Koste die Jauche des Bier's in trüben und schartigen Gläsern,
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Prüfe den schillernden Wein, der nie die Kelter geseh'n!
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Kann es verwundern, wenn endlich das Gift betäubenden Fusels
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Alkoholisch den Geist und die Gemüther entflammt?
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Schaudernd empfind' ich es jetzt: in stolzen Palästen nicht –
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Webt sich dein Schicksal, o Wien – webt sich das Schicksal der Welt!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ferdinand von Saar
(18331906)

* 30.09.1833 in Wien, † 24.07.1906 in Döbling

männlich

Suizid | Schusswunde

österreichischer Schriftsteller, Dramatiker und Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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