Zehn Jahre sind es heut' – zehn lange Jahre

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Ferdinand von Saar: Zehn Jahre sind es heut' – zehn lange Jahre Titel entspricht 1. Vers(1869)

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Zehn Jahre sind es heut' – zehn lange Jahre,
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Da lagst du hingestreckt auf dunkler Bahre,
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Das Antlitz fahl, das helle Aug' geschlossen,
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D'raus mir der Liebe reinster Strahl geflossen.

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Du wiesest nicht den sanften Glanz der Ruhe,
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Der Todte oft verklärt in ihrer Truhe;
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Ein herber Ernst verschärfte deine Züge
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Und deiner Lippen marmor'nes Gefüge.

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Der Ernst des Schmerzes war's, den du getragen
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In deiner Seele bis zu alten Tagen –
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Des Duldens Ernst, den du, mich nicht zu schrecken,
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Stets in ein Lächeln wußtest zu verstecken.

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Mir aber blieb nicht fremd, was du gelitten,
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Ich sah es klar, wie schweigend du gestritten –
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Mußt' ich doch selbst in deinen Lebenszeiten
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Dir stets das allertiefste Weh' bereiten.

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Hingehen sahst du mich auf steilen Bahnen;
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Wohin sie führten, konntest du wohl ahnen,
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Es blieb dein Geist dem meinen nicht verschlossen –
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Wie wär' ich sonst auch deinem Schooß entsprossen?

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Doch wußte diese Welt an bangen Zweifeln
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Gar viele dir in Herz und Sinn zu träufeln;
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Sie wußte deinen Stolz dir zu verbittern
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Und ließ dich für das Heil des Sohnes zittern.

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Wer weiß es nicht, wie schlaue Tröpfe malen
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Die Nichtigkeit von allen Idealen –
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Wie hoch dem Neid stets
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Um die

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Wer kennt sie nicht, des falschen Mitleids Wärme,
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Daß der Getroffene sich tiefer härme –
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Nicht jenen frechen Muth, der unerschrocken
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Dem Guten Schlechtes vorzieht mit Frohlocken.

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Wer kennt es nicht, dies stumme Achselzucken,
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Dies niederträchtig harte Lobverschlucken,
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Dies Schweigen, wenn man nicht mehr kann verneinen,
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Auf's neue stets bereit zum Wurf mit Steinen.

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Dies Alles mußtest du gleich mir ertragen,
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Und oft im Inn'ren wolltest du verzagen;
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Denn leicht nicht konnt' ich meine Kraft entfalten,
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Und fast schon schien's: sie würden Recht behalten.

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Und das auch war's, was dir in letzter Stunde
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Als scheuer Seufzer klang aus bleichem Munde –
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Das war es, was verschärfte deine Züge
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Und deiner Lippen marmor'nes Gefüge.

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Das war es, was mit schmerzlichem Erkennen
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Ich selber fühlte in der Brust mir brennen,
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Als ich gebrochen, stumm und ohne Zähre
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An deiner Leiche blickte wie in's Leere.

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Und heute noch fühl' ich es brennen leise,
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Da ich geblickt schon nach dem höchsten Preise –
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Und eines Kranzes spät erworb'nen Segen
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Bei deinem Grabe still kann niederlegen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ferdinand von Saar
(18331906)

* 30.09.1833 in Wien, † 24.07.1906 in Döbling

männlich

Suizid | Schusswunde

österreichischer Schriftsteller, Dramatiker und Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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