Es war im frühen Lenz. Hell schien die Sonne

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Ferdinand von Saar: Es war im frühen Lenz. Hell schien die Sonne Titel entspricht 1. Vers(1869)

1
Es war im frühen Lenz. Hell schien die Sonne,
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Beleuchtend warm das zarte junge Grün;
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Ein Zittern rings, ein Athmen still in Wonne –
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Und duft'ger Veilchen tief verborg'nes Blüh'n.

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Ich hatte froh genützt den holden Morgen
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Zu einem Gang in's weit gedehnte Land –
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Nun kehrt' ich wieder zu den alten Sorgen,
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Zur Stadt zurück längs eines Baches Rand.

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Die ersten Häuser! Fast schon im Verfallen,
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Obgleich man sie erst kürzlich aufgebaut!
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Aus hohen Schloten sah ich's düster wallen
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Und hörte der Fabriken Arbeitslaut.

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O welche Luft, beklemmend und mephitisch,
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Da schon mein Fuß die Gassen jetzt beschritt!
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Halbnackte Kinder, blutleer und rhachitisch
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Vor jeder Schwelle und bei jedem Tritt!

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Und Buden rechts und links mit schlechten Waaren,
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Auf die selbst Hunger nur mit Ekel trifft;
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Zahlreiche Schenken für verkomm'ne Schaaren,
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Die sich betäuben mit des Branntweins Gift.

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Dazwischen ödes kleines Handwerktreiben
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In nied'ren Erdgeschossen, feucht und dumpf –
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Und hin und wieder, glotzend durch die Scheiben,
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Siechthum und Müßiggang, verthiert und stumpf.

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Und Weiber auch mit einem bitterbösen
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Und harten Blick – doch lüstern frech zugleich;
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Sie sah'n mich an wie Zukunftspetroleusen,
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Vom Elend – und von jedem Laster bleich ...

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Ich schauderte. Das bischen Frühlingswonne,
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Das ich so gerne mit mir heimgebracht,
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Ging unter wie ein irrer Strahl der Sonne,
32
Der sich verliert in Dämmerung und Nacht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ferdinand von Saar
(18331906)

* 30.09.1833 in Wien, † 24.07.1906 in Döbling

männlich

Suizid | Schusswunde

österreichischer Schriftsteller, Dramatiker und Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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