Wie in Gedanken, unaussprechlich

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Ferdinand von Saar: Wie in Gedanken, unaussprechlich Titel entspricht 1. Vers(1869)

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Wie in Gedanken, unaussprechlich,
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Gehen Arm in Arm sie einher;
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Tief gebeugt und gebrochen

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Schwer belastet mit Sammt und Seide,
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Wankt ihr vornehm hagerer Leib
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Und es blinkt ihr gold'nes Geschmeide –
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Ja, sie war einst ein schönes Weib!

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Wie im Nachglanz sieghafter Stunden
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Flammt noch zuweilen ihr dunkler Blick –
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Schlaff ergeben in sein Geschick.

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Ach, was liegt nicht Alles dazwischen,
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Seit die Beiden gewesen jung;
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Wenn sie könnten, sie möchten's verwischen
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Gern in ihrer Erinnerung.

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Halbes Finden im ersten Genusse,
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Launen des Hochmuths, der Eitelkeit –
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Höhnender Treubruch und seine Buße,
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Böse Jahre voll Haß und Streit.

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Von der Natur auseinander getrieben,
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Aber durch »Rücksicht« immer vereint,
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Lernten sie kaum ihre Kinder lieben,
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Die oft im Stillen darüber geweint.

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Dennoch sich täglich in's Auge zu blicken,
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Hatten die Beiden sich mälig gewöhnt –
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Und nun hat, nach all' den Geschicken,
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Sie noch zuletzt das Alter versöhnt.

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Wenn auch spät –
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»ach, er war doch edel und gut!«
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Und
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»ach, sie hatte nur heißes Blut!«

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Und sie lächelt, wenn er beflissen
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Ihr den Shawl, die Mantille trägt,
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Und er lächelt, wenn sie die Kissen
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Abends sorglich zurecht ihm legt ...

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Wie in Gedanken, unaussprechlich,
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Gehen Arm in Arm sie einher,
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Tief gebeugt und gebrochen

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ferdinand von Saar
(18331906)

* 30.09.1833 in Wien, † 24.07.1906 in Döbling

männlich

Suizid | Schusswunde

österreichischer Schriftsteller, Dramatiker und Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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