Da ging ich jüngsthin durch ein armes Dorf

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Ferdinand von Saar: Da ging ich jüngsthin durch ein armes Dorf Titel entspricht 1. Vers(1869)

1
Da ging ich jüngsthin durch ein armes Dorf;
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Verfall'ne Hütten, breitgetret'ne Gossen,
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Durch welche, spülend an der Erde Schorf,
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Im Sonnenbrande seichte Wasser flossen.

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Und in dem einen sah ich hochgeschürzt,
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Den festgebund'nen Säugling auf dem Rücken,
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Ein junges Weib stehn, malerisch verkürzt
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Den kräft'gen Leib bei tiefem Niederbücken.

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Ein Pfännlein wusch sie in der trüben Fluth,
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Ein Pfännlein, d'rin sie erst gekocht das Essen,
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Und sang ein Lied dabei mit frischem Muth –
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Das Kindchen aber schlummerte indessen.

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Bei meinem Nahen hob sie rasch das Haupt
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Und sah mich an mit Augen, hellen, braunen,
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Als wollt' sie fragen: »Herr, wenn ihr erlaubt,
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Was habt ihr denn so groß mich anzustaunen?«

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»ich bin ein Weib – darum auch Magd und Amme,
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Wie Städterfrau'n kann ich mich nicht erhöh'n;
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Mein Mann ist arm, wir sind von nied'rem Stamme,
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Doch bin ich froh – und, wie ihr seht, auch schön!«

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Sie schlug in's Wasser, daß es sie umsprang;
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Behend dann lösend ihres Haares Strähne,
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Wusch sie ihr Antlitz, lachte, daß es klang,
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Und wies dabei mir ihre weißen Zähne.

25
Ich aber ging, zu jähem Schmerz erregt,
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So wie berührt an einer off'nen Wunde,
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Die heute noch gar Mancher schweigend trägt
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In seines Herzens tiefgeheimstem Grunde.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ferdinand von Saar
(18331906)

* 30.09.1833 in Wien, † 24.07.1906 in Döbling

männlich

Suizid | Schusswunde

österreichischer Schriftsteller, Dramatiker und Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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