Der Nachmittag war glühend heiß. Ich saß

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Ferdinand von Saar: Der Nachmittag war glühend heiß. Ich saß Titel entspricht 1. Vers(1869)

1
Der Nachmittag war glühend heiß. Ich saß
2
In eines Wirthes menschenleerem Garten;
3
Gedankenvoll, beim kaum berührten Glas,
4
Wollt' ich des Abends Kühlung hier erwarten.

5
Still durch die Wipfel strich ein schwüler Hauch,
6
Gedämpft erklang des Straßenlärmes Wogen;
7
Nach Krume zwitschernd, wie es Sperlingsbrauch,
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Kam ab und zu ein kleiner Gast geflogen.

9
Da hört' ich plötzlich nahen Doppeltritt –
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Und zwei Gestalten, hoch und schlank, erschienen:
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Ein junges Paar, mit raschem, leichtem Schritt,
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Mit hellen Augen und mit klugen Mienen.

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Er fast ein Jüngling noch. Mit breitem Rande
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Saß lässig ihm der Hut auf dunklen Locken;
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Zartbusig sie; auf lichtere Gewande
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Fiel blond ihr Haar, so wie der Flachs vom Rocken.

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Sie sah'n mich nicht und setzten sich zur Rast –
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Man merkte wohl, sie seien noch nicht Gatten –
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Nach kurzem Wählen mit zufried'ner Hast
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Gleich in des nächsten Baumes breiten Schatten.

21
Nachdem sie sich mit raschem Trunk erfrischt,
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Und auch vom Brod gebrochen einen Bissen,
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Lag schon ein Buch vor ihnen aufgetischt –
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Ein großes Buch, zerlesen und zersplissen.

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Von »Lanzelot« und von »Ginevra« war,
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Das sah man, nichts in diesem Buch zu lesen;
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Dem Kennerblicke ward sofort auch klar,
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Daß es ein Werk der Wissenschaft gewesen.

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Vielleicht von Darwin oder Stuart Mill –
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Wie ändern sich, so dacht' ich, doch die Zeiten,
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Indessen Jene, leidenschaftlich still,
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Herniederseh'n auf eng bedruckte Seiten.

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Und er, so wie in unbewußtem Thun,
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Die Hand nur legt auf ihre schmale, feine –
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Und sie, wie um beim Lesen auszuruh'n,
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Die zarte Wange sanft lehnt an die seine.

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Mir aber ward der Anblick zum Gedicht,
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Zu einem neuen hohen Lied der Liebe,
39
Da ich verklärt sah von des Geistes Licht
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Auf Erden schon den dunkelsten der Triebe.

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Und mich erhebend, tief bewegt und leis',
42
Ging ich hinweg mit Schritten, kaum zu hören,
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Um solcher Herzen reinen Zauberkreis
44
Und diese heil'ge Feier nicht zu stören.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ferdinand von Saar
(18331906)

* 30.09.1833 in Wien, † 24.07.1906 in Döbling

männlich

Suizid | Schusswunde

österreichischer Schriftsteller, Dramatiker und Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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