Durchsichtig blaut die laue Sommernacht

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Ferdinand von Saar: Durchsichtig blaut die laue Sommernacht Titel entspricht 1. Vers(1869)

1
Durchsichtig blaut die laue Sommernacht,
2
Mit glüh'nder Wange kehr' ich vom Gelage;
3
Das ist die Stunde, wo mein Herz erwacht,
4
Das eingeschläfert schwüle, bange Tage.

5
Die Fenster auf. Nun ströme, linde Luft!
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Wie Kühlung zuckt es aus der Sterne Flimmern;
7
All meine Sinne baden sich in Duft –
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Da seh' ich's weiß mir gegenüber schimmern.

9
Sie lehnt im Fenster. Antlitz, Arm und Hand
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Wie Mondenlicht; dem Nacken wird zur Hülle
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Das zartgewob'ne lichte Florgewand,
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Und drüber hin des Haares gold'ne Fülle.

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Die sie bei Tag mit stiller Sorgfalt pflegt,
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Wie duften jetzt die Rosen und Violen!
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Der Blumen Hauch zu mir herüber trägt
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Des Mädchens Seufzer, glühend, unverhohlen:

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Du rascher Mann, der du so gierig trinkst
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Aus vollem Becher, d'rin die Freude schäumet;
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Der du gebieterisch an's Herz dir winkst
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Jedwede Lust, die dir zu nahen säumet –:

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O blicke nieder auf mein einsam Loos,
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In meine Seele blicke, wie sie trauert
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In der Entbehrung ewig kargem Schooß,
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Von ahnungsvollen Wünschen nur durchschauert.

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Erfülle sie! Du kannst es. Nimm mich
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Hier welket meine Tugend still verdrossen;
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Erschließe mir des Lebens reichsten Hort,
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Und lehr' mich kennen, was du schon genossen!

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Laß mich umklammern deine starke Brust;
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Auch dir ist
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Ich sprech' es aus, was du noch nicht gewußt:
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Ich liebe dich mit grenzenlosem Lieben! –

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Die Nachtigall im nahen Bauer schweigt,
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Sie flötete der schönsten aller Stunden;
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Des Morgens Schauer kühl der Nacht entsteigt,
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Das Fenster klirrt – die Holde ist entschwunden.

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Zur Unrast such' ich auf den dumpfen Pfühl,
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Bei ihr verweilen wach noch die Gedanken;
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Doch endlich naht der Schlaf mir, bleiern, schwül,
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Und wüste Träume meinen Geist umschwanken.

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Nun ist es Tag! Nun rasch an's Fenster hin!
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Nun ist sie bei den Blumen wohl zu schauen –
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Schon steht sie dort, als milde Spenderin
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Die durst'gen Kelche sorglich zu bethauen.

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Doch wie sie mich gewahrt, der erst sich barg,
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Um spähend zu erhaschen ihre Miene:
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Tritt sie zurück mit Blicken scheu und karg –
48
Und niederwallt, verhüllend, die Gardine.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ferdinand von Saar
(18331906)

* 30.09.1833 in Wien, † 24.07.1906 in Döbling

männlich

Suizid | Schusswunde

österreichischer Schriftsteller, Dramatiker und Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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