Tiefe Stille

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Ferdinand von Saar: Tiefe Stille Titel entspricht 1. Vers(1869)

1
Tiefe Stille.
2
Lautlos zieht vorüber, gespaltenen Laufs,
3
Der breite Donaustrom,
4
Leis' bespülend dicht grünendes Ufergezweig.
5
Kaum zum Lispeln bewegt,
6
Schimmern im Sonnenglanz
7
Die Erlen und Silberpappeln,
8
Die, aufgewuchert zu lieblicher Wildniß,
9
Hochhalmige Wiesenflucht umschatten.
10
Manchmal nur ertönt der kurze Schrei
11
Des Reihers, der einsam die Luft durchkreis't;
12
Hörbar fast
13
Wird des Falters Flügelschlag
14
Und der Odem des Reh's,
15
Das friedlich gras't
16
Wie in weltferner Sicherheit.

17
Wo ist die Zeit, da einst
18
Mit fremdverworrener Stimmen Laut,
19
Mit Waffengeklirr' und Hufgestampf
20
Des gallischen Cäsars Heer
21
Auf diesem Boden gelagert!? –
22
Damals, du sonnig stille Insel,
23
Lag unter deinen Wipfeln zusammengedrängt
24
Ein Weltschicksal!
25
Und vernichtet war der kleine
26
Gedunsene Mann mit dem Imperatorkopf,
27
In dem sich die Ichsucht der Menschheit
28
Zum tragischen Popanz verkörperte.

29
Kaum erst erfüllt
30
Hat ein halbes Jahrhundert sich,
31
Seit er hier auf- und niederschritt,
32
Entschlüsse wälzend in ruh'loser Brust –:
33
Und heute schlägt kaum mehr hin und wieder ein Herz,
34
Das seinen Ruhm gedüngt,
35
Oder vor ihm gezittert.
36
Wo sind die Reiche, die er gegründet?
37
Wo die Könige, die er besiegt?
38
Wo die Frauen, die er geliebt?
39
Vorüber Alles. Sonnenbeglänzt
40
Liegt, stromaufwärts, die Kaiserstadt,
41
In die er einzog, sieggewaltig,
42
Um ihr blauäugiges Fürstenkind
43
Mit sich zu führen an der Seine Strand.
44
Friedlich liegt sie; bricht die Schanzen ab,
45
Die er einst gestürmt,
46
Umzieht sich mit neuen Straßen,
47
Baut Paläste und Dome,
48
Als gält' es, sich zu gründen für die Ewigkeit –
49
Und ahnt nicht,
50
Daß auch sie dereinst
51
Zerbröckeln wird in Schutt und Trümmer,
52
Um endlich,
53
Gleich
54
Hinweggeschwemmt zu werden
55
Vom Strome der Zeiten.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Ferdinand von Saar
(18331906)

* 30.09.1833 in Wien, † 24.07.1906 in Döbling

männlich

Suizid | Schusswunde

österreichischer Schriftsteller, Dramatiker und Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.