Daß früh sich euer Sinn gewöhne

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Ferdinand von Saar: Daß früh sich euer Sinn gewöhne Titel entspricht 1. Vers(1869)

1
Daß früh sich euer Sinn gewöhne
2
An ernsten Wortes ernsten Klang,
3
Vernehmt jetzt meines Liedes Töne
4
In eu'rer Jugend frohem Drang.
5
Sie mögen euch auf allen Wegen
6
Nachklingen leise im Gemüth,
7
Ein tief empfund'ner Dichtersegen,
8
D'raus euch des Daseins Glück erblüht.

9
Noch ist ein jeder Tag euch helle,
10
Und süßer Schlummer jede Nacht;
11
Doch steht ihr an der Zukunft Schwelle
12
Und mälig schon ziemt euch Bedacht;
13
Ob ihr auch noch in kind'schen Spielen
14
Auf bunten Wiesenplanen tollt –:
15
Es naht die Zeit mit ernsten Zielen,
16
Für die ihr leben, wirken sollt.

17
Die Zeit, wo eu'rem »Heut'« ein »Morgen«
18
Mit neuer Forderung sich reiht,
19
Und langsam nur, bei steten Sorgen,
20
Ein schwierig Tagewerk gedeiht.
21
Dann aber muß sich erst bewähren
22
Die tiefste Kraft, die in euch wohnt,
23
Und ob der Eltern gold'ne Lehren,
24
Des Meisters Eifer sich gelohnt.

25
Doch wie auch rastlos eu're Mühe,
26
Genüg' euch die erfüllte Pflicht:
27
Vergeltungskränze, rasche, frühe,
28
Für euer Thun erwartet nicht.
29
Und seht ihr ringsum Freuden sprießen,
30
Davon euch keine je vergönnt:
31
So zeigt, daß ihr nicht bloß genießen –
32
Daß ihr auch froh entbehren könnt.

33
Mit gier'gem Wunsch streckt der Gemeine
34
Nach Allem, was da lockt, die Hand;
35
Erhab'nen Sinns begehrt der Reine
36
Nur was er seiner würdig fand.
37
Zufrieden seid, wenn euch im Alter
38
Dieselbe Blume noch beglückt –
39
Derselbe hold beschwingte Falter,
40
Der in der Kindheit euch entzückt.

41
So wachs't heran mit stillem Ringen,
42
Ein edles, lauteres Geschlecht,
43
Noch stark genug, das Schwert zu schwingen,
44
Gilt es den Kampf für Licht und Recht;
45
Doch auch so mild schon, nichts zu hassen,
46
Als was da hemmt des Geistes Flug –
47
Und, gern verzeihend, zu umfassen
48
Den Feind selbst, der euch Wunden schlug.

49
Dann aber seid ihr nah und näher
50
Dem Gipfel schon des schönsten Ruhms,
51
Auf eu'ren Stirnen sieht der Seher
52
Den Vollglanz ächten Menschenthums.
53
Und also ruht – ob euch mit Scherzen
54
Die Stunde noch umfangen hält –:
55
In eu'ren jugendlichen Herzen
56
Die Zukunft und das Heil der Welt!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Ferdinand von Saar
(18331906)

* 30.09.1833 in Wien, † 24.07.1906 in Döbling

männlich

Suizid | Schusswunde

österreichischer Schriftsteller, Dramatiker und Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.